«Die Post hat in ihrer 170-jährigen Geschichte wesentliche Modernisierungsschritte in der Schweiz mitgeprägt.»

Im Interview mit dem Head of Innovation der schweizerischen Post Daniel Gerber, wollen wir wissen, wie das Unternehmen zu Startups steht und was er unter Innovation versteht.


Head of Innovation, Daniel Gerber (Foto: die Post)

Was bedeutet für die Post Innovation?

Wir nehmen den Auftrag der Post, den sicheren Transport von Gütern und Informationen, auch in der digitalen Welt wahr. Innovationen sind dafür essenziell. Sie ermöglichen es, zeitgemässe Leistungen anzubieten und für die Kunden relevant zu bleiben. Hierfür optimieren wir nicht nur laufend bestehende Produkte, sondern erschliessen auch angrenzende Märkte und schaffen gänzlich neue Lösungen wie z.B. im Bereich E-Health oder E-Voting.

Was muss ein Unternehmen machen, um erfolgreich zu bleiben? Und wie wichtig ist Innovation dabei?

Nur mit Innovationen kann sich ein Unternehmen fortlaufend an neuen Kundenbedürfnissen, Technologien, Gesetzen und Mitbewerbern ausrichten. Wichtig ist, dass man Ideen bereits in einer frühen Phase am Markt testet, um Feedbacks für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Dass es dabei auch mal Rückschläge gibt, gehört dazu, denn letztlich leistet man in Pilotprojekten Pionierarbeit. Sie sind genau dazu da, um aus Herausforderungen zu lernen.

Was sind eure bevorzugten Innovationsbereiche?

Wir innovieren in allen Dimensionen – sowohl bei Produkten und Geschäftsmodellen wie auch in den Prozessen. Derzeit stehen Themen wie Blockchain, Internet of Things oder auch künstliche Intelligenz besonders im Fokus, da sie das Potenzial aufweisen, die Kernleistungen der Post zu verbessern. Die Post sondiert neue Technologien und Innovationen aber laufend sehr breit, um vielversprechende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Wenn wir dies nicht tun, wird die Schweiz von ausländischen Konzernen abhängig.

Wie proaktiv fördert die Post Innovation im Unternehmen? 

Innovation hat einen hohen Stellenwert bei der Post. Innovationsprojekte fördern wir mit Methoden und Instrumenten, um schneller und kundenzentrierter auf den Markt zu gelangen. Dieses Jahr führten wir beispielsweise zum vierten Mal das Innovationsprogramm PostVenture durch. Mitarbeitende konnten dabei Geschäftsideen einreichen. Die besten Ideen erhalten professionelle Unterstützung für die weitere Ausarbeitung und eine Anschubfinanzierung.

Gibt es bei der Post physische und virtuelle Orte, an denen Innovieren nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern Leitmotiv ist?

Am Hauptsitz der Post gibt es das EspaceLab. Das sind Räumlichkeiten, die für die Entwicklung zukünftiger Produkte und Services reserviert sind. Teams wird darin eine optimale Arbeitsumgebung geboten, in welcher kundenzentriert und fokussiert während einer definierten Dauer an Innovationsprojekten gearbeitet werden kann. Das EspaceLab dient auch als bereichsübergreifende Know-How- und Austauschzone.

Welche Innovationen werden in der Organisation erinnert und warum? Wie weit liegen sie zurück? 

Die Post hat in ihrer 170-jährigen Geschichte wesentliche Modernisierungsschritte in der Schweiz mitgeprägt. Vielleicht sind gerade jene Innovationen die Erfolgreichsten, die nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Denken Sie z.B. an die Einführung der Postomaten ab Ende der 1970er-Jahre oder an die Einführung der A- und B-Post 1991. Neuere Beispiele sind die Einführung der SMS-Briefmarke, der PostCardCreator oder die Möglichkeit, den Empfangsort oder -zeitpunkt eines Paketes online zu steuern.

(Foto: die Post)

Was raten sie als etabliertes Unternehmen einem jungen, wilden Startup in den ersten Lebensjahren für die Zukunft? 

Wichtig ist es, Glaubwürdigkeit auszustrahlen indem man aufzeigt, dass man Probleme lösen und sein Projekt trotz vielen Unbekannten in der Gleichung auf den Boden bringen kann.

Wie arbeitet die Post mit Startups zusammen? 

Es gibt verschiedene Formen der Zusammenarbeit. Sie reicht von gemeinsamen Projekten bis zu Beteiligungen an Jungunternehmen, wenn diese eine Lösung oder Technologie anbieten, die für uns von strategischer Bedeutung ist. Häufig ist es auch eine Kombination: Beispielsweise arbeiten wir in der Drohnenlogistik mit dem Drohnenhersteller Matternet zusammen und haben uns auch an der Firma beteiligt. Zusammen mit dem Start-up notime bietet die Post in urbanen Gebieten Same-Day-Delivery an. An notime hält die Post inzwischen die Mehrheit.

Was kann ein Startup von einem Grossunternehmen lernen?

Grossunternehmen wie die Post haben viel Erfahrung in der Vermarktung von neuen Produkten und Services und haben einen breiten und vielfäligen Kundenstamm. Start-ups, die mit der Post zusammenarbeiten, profitieren nicht nur von externem Wissen sondern auch vom Zugang zum Markt.

Was kann ein Grossunternehmen von einem Startup lernen?

Start-ups haben meist eine positive Sicht auf Fehler und lernen schnell daraus. Grossunternehmen stehen viel stärker im öffentlichen Schaufenster. Rückschläge werden deshalb eher als Versagen empfunden und können rascher reputationsschädigend sein. Dabei gehören sie zum Innovieren. Dank der Zusammenarbeit mit Startups kann die Post schneller auf Marktveränderungen reagieren und neuste Erkenntnisse und Entwicklungen laufend in die Arbeiten einfliessen lassen.

Vielen Dank für das Interview, Daniel Gerber!

Die Schweizerische Post ist als Mischkonzern im Kommunikations-, Logistik-, Retailfinanz- und Personenverkehrsmarkt tätig. Die Post ist in rund 25 Ländern präsent. Sie beschäftigt weltweit mehr als 58’000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von über 5.01 Milliarden Franken.