«Man muss sich anpassen und relevant bleiben.»

Im Interview mit CEO Marc Schürch von Netcloud wollen wir wissen, wie das Unternehmen zu Startups steht und wie es Innovation lebt.


Was bedeutet für Netcloud Innovation?

Einerseits sehen wir die technologische Innovation, welche vor allem durch die Hersteller betrieben wird, mit denen wir zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite liefern wir selbst Innovation in Form unserer Dienstleistungen. Hierfür müssen wir nahe beim Kunden sein, damit wir die Bedürfnisse erkennen und somit qualitativ hochstehende Services erbringen können. 

Was muss ein Unternehmen machen, um erfolgreich zu bleiben? Und wie wichtig ist Innovation dabei?

In unserem Falle ist es vermutlich das wichtigste, am Puls der Kunden zu sein. Wir müssen zuhören und verstehen, was die Bedürfnisse sind. Auf diese müssen wir eingehen und daraus das Richtige ableiten. Wir entwickeln zwar nicht die Produkte, aber wir fügen diese zu einem sinnvollen Ganzen zusammen.

Was sind eure bevorzugten Innovationsbereiche?

Innovation trifft grundsätzlich auf unser ganzes Portfolio zu und beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Bereiche. Was aktuell besonders in unserem Fokus steht, ist auf jeden Fall Cloud und Cyber Defence. Es muss jedoch generell der Wille vorhanden sein, sich kontinuierlich zu hinterfragen und zu verbessern, was somit automatisch in Innovation resultiert.

Wie proaktiv fördert Netcloud Innovation im Unternehmen? 

Wir fordern jeden Einzelnen auf, nahe bei den Kunden zu sein. Und ebenso wichtig ist die Nähe zu den Herstellern, welche die neuen Technologien und Produkte entwickeln. Aus diesen beiden Komponenten ergibt sich die Innovation. Natürlich fördern wir auch die Weiterbildung auf neuen Technologien; jährlich ergibt das über 15’000 Stunden, die wir in Aus- und Weiterbildung investieren.
Besonders interessant ist es, wenn Innovation von einzelnen Menschen innerhalb der Netcloud entsteht. Wir prüfen diese Ideen, hinterfragen und ermutigen. So „bauen“ wir mit diesen Menschen immer wieder an neuen, innovativen Themen. Vielleicht ist da etwas dabei, welches uns einen strategischen Wettbewerbsvorteil verschafft, unser Portfolio perfektioniert oder gar unser „go to market“ ganz auf den Kopf stellt. 

Gibt es physische und virtuelle Orte, an denen Innovieren nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern Leitmotiv ist bei Netcloud?

Sehr beliebt ist unsere riesige Lab-Umgebung, die rege gebraucht wird, um neue Produkte kennenzulernen und zu testen. Aber auch die erwähnten Ideen werden sehr ernst genommen: Wir räumen den Leuten Zeit ein, um diese Ideen weiterzuentwickeln und reifen zu lassen. Aus einer solchen Idee heraus entstand zum Beispiel unser Cyber Defence Center zur Abwehr von Cyberattacken.

Welche Innovationen werden in der Organisation erinnert und warum? Wie weit liegen sie zurück? 

Bei uns gibt es immer wieder kleinere und grössere Innovationen. In Erinnerung bleiben natürlich vor allem die grossen, aus welchen neue Organistionsteile oder Services entstanden. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist unsere hochautomatisierte Security-Orchestration-Plattform im Kampf gegen Cyberattacken. Oder eine neu aufgebaute Sicherheitsplattform, um den IT-Betrieb von Kunden mit PCI-Anforderungen (Payment Card Industry) zu übernehmen. Oder die individuell anpassbare Backup-Lösung für Software-as-a-Service-Applikationen mit Datenhaltung in der Schweiz.

„Ein Grossunternehmen sollte neugierig und hungrig bleiben und nicht steif werden“, erklärt CEO Marc Schürch. (Foto: Netcloud)

Was raten sie als etabliertes Unternehmen einem jungen, wilden Startup in den ersten Lebensjahren für die Zukunft? 

Behaltet euren Fokus und eure Vision im Auge! Lernt aus Rückschlägen, bleibt dran und lebt eure Leidenschaft aus.

Wie arbeitet Netcloud mit Startups zusammen? 

Grundsätzlich sind wir offen für jegliche Zusammenarbeit, egal ob es ein Startup oder ein etabliertes Unternehmen ist. Letztes Jahr beispielsweise arbeiteten wir mit Locatee zusammen, ein Zürcher Startup im Bereich Workplace Analytics. Für unseren Kunden Swiss Re stemmten wir gemeinsam ein weltweites Projekt in über 20 Ländern. Wir lieferten die Netzwerkinfrastruktur und Locatee die Big Data Analytics Platform, welche Daten in Echtzeit aus dem Netzwerk sammelt. So werden Einblicke in die Arbeitsplatznutzung ermöglicht.

Was kann ein Startup von einem Grossunternehmen lernen?

Ein Startup kann logischerweise von der Erfahrung eines Grossunternehmens profitieren. Oder auch von Dingen wie Prozessdefinierung, zentralen Systemen und Dokumentation, mit denen ein Startup früher oder später konfrontiert wird. Sind diese aber bereits vorhanden, so muss eigentlich nie zwingendermassen auf ein Grossunternehmen geblickt werden, respektive der „Übertritt“ in die Welt der Grossunternehmen erfolgen.

Was kann ein Grossunternehmen von einem Startup lernen?

Ein Grossunternehmen sollte neugierig und hungrig bleiben und nicht steif werden. Ein gutes Beispiel ist Cisco, einer unserer strategischen Partner. Obwohl dort tausende Leute arbeiten, kommt es mir oft so vor, als ob sie immer noch wie ein Startup sind.
Beide Seiten können auf jeden Fall von einem Austausch profitieren. Denn die Welt verändert sich; man muss sich an neue Parameter anpassen und relevant bleiben, quasi sich die Daseinsberechtigung erarbeiten. Und das gilt für Startups als auch für Grossunternehmen. Diesbezüglich sind wir nicht all zu verschieden.

Vielen Dank für das Interview!

Die Netcloud AG wurde 1998 in Winterthur gegründet und hat heute weitere Standorte in Bern und Basel. Die Idee, mit gleichgesinnten, hochqualifizierten Freunden anspruchsvolle ICT-Aufgaben zu lösen, ist auch heute noch unsere Basis für Erfolg. Das Netcloud-Team besteht aus fast 200 motivierten Mitarbeitenden, davon über 120 Engineers.