«Alle Personen, die sich ernsthaft für eine Gründung entschieden haben, sollen Zugang zu einem Beratungsangebot erhalten.»

Im Interview mit Erika Schiltknecht vom Jung-Unternehmer-Zentrum wollen wir wissen, wie das Unternehmen Startups unterstützt und was Sie sich für die Schweizer Startup-Szene wünscht.


In drei Sätzen: wer seid ihr und was macht ihr?

Die Jung-Unternehmer-Zentren in Flawil, Gossau, Wil und Wattwil begleiten Startups aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell AR auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit. Ausgewiesene Fachleute und Berater stellen ihr Wissen und ihre Erfahrungen für eine kompetente Beratung zur Verfügung. Die Jung-Unternehmer-Zentren sind als Trägerverein organisiert. 

Welche Leistungen und Hilfestellungen erbringt das Jung-Unternehmer-Zentrum für angehende Unternehmer/-innen und deren Startups?

Die Jung-Unternehmer-Zentren ermöglichen es den künftigen Unternehmerinnen und Unternehmern ihre Geschäftsidee überprüfen zu lassen oder stehen bei Fragen während oder nach der Gründungsphase zur Verfügung. Die Organisation übernimmt die Kosten für bis zu zehn Beratungsstunden pro Jahr. Als Ergänzung zu den Beratungsdienstleistungen werden auch Schulungen angeboten. Ausserdem ermöglichen regelmässige Veranstaltungen und Foren Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.

Inwiefern unterscheidet sich das Jung-Unternehmer-Zentrum von anderen Organisationen, welche ebenfalls Startups unterstützen?

Der Trägerverein Jung-Unternehmer-Zentren zählt rund 500 Mitglieder und Interessierte. Das sind Personen aus Wirtschaft, Politik und Bildung aber auch viele Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer. Dies bildet die Grundlage um an zahlreichen Veranstaltungen interessante Kontakte zu knüpfen und Kooperationen zu finden. 

Welche Vision hat das Jung-Unternehmer-Zentrum für die Startups-Szene Schweiz?

Das Jung-Unternehmer-Zentrum möchte, dass alle Personen, die sich ernsthaft für eine Gründung einer eigenen Existenz entschieden haben, Zugang zu einem unbürokratischen Beratungsangebot erhalten.

Leiterin des Jung-Unternehmer-Zentrums Erika Schiltknecht (Foto: Jung-Unternehmer-Zentrum)

Erzähle ein aktuelles Beispiel, bei welchem das Jung-Unternehmer-Zentrum ein Startup oder die Startup-Szene unterstützt habt und was es für das Startup/die Startup Szene bedeutet hat.

Das Jung-Unternehmer-Zentrum unterstützt nicht nur Neugründer, sondern auch Personen, die bestehende Unternehmen übernehmen möchten. So konnten schon verschiedene alteingesessene Firmen von der Schliessung bewahrt und die Arbeitsstellen erhalten werden. Das Jung-Unternehmer-Zentrum war in diesen Fällen Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer sowie Supporter bei Finanzgebern.

Was sind die Pläne vom Jung-Unternehmer-Zentrum für die Zukunft?

Das Jung-Unternehmer-Zentrum möchte die hohe Qualität der Beratungsdienstleistungen beibehalten. Es sieht sich weiterhin als begleitende Organisation, die Hilfe zur Selbsthilfe anbietet.

Wo sieht das Jung-Unternehmer-Zentrum im Bereich Politik Aufholbedarf bezüglich Startups in der Schweiz?

Der Zugang zu Risikokapital ist für Startups nach wie vor sehr schwierig. Hier wäre es angebracht, die Hürden massiv zu senken. 

Was ist heutzutage am wichtigsten beim Gründen eines neuen Unternehmens?

Die sorgfältige Planung und dabei die Beantwortung der Fragen: Wer sind meine Kunden? Was hebt mich von meinen Mitbewerbern ab? Wie finanziere ich den Start und den Betrieb in den ersten Monaten? Was zeichnet mich als Unternehmerin/als Unternehmer aus?

Wenn das Jung-Unternehmer-Zentrum plötzlich 100‘000 CHF mehr auf dem Konto hätte, wie würdet ihr diese investieren?

Wir würden das Geld einerseits dafür einsetzen, dass unsere Dienstleistungen noch besser bekannt werden und andererseits in die Beratung von Startups.

Bestes Startup zurzeit und warum?

Wir haben kein bestes Startup. Wir begleiten zahlreiche Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer, die täglich ihren vollen Einsatz leisten, schwierige Situationen meistern und um ihren Erfolg kämpfen. Alle verdienen unseren Respekt für ihren Mut und ihr Engagement.

Der Trägerverein Jung-Unternehmer-Zentren wurde im Jahr 2000 gegründet. Entstanden ist die Idee im Umfeld der wirtschaftlichen Krise um die Jahrtausendwende. Eine Arbeitsgruppe unter dem Namen «Neue Jobs für Flawil» suchte nach Möglichkeiten, Arbeitsstellen für eben diese Region zu schaffen. Nach einer Evaluationszeit setzten die Verantwortlichen schliesslich auf die Ansiedlung von Jungunternehmen, mit der Hoffnung, eine gewisse Branchenvielfalt und eine Verteilung der Risiken zu erhalten. Das erste Jung-Unternehmer-Zentrum mit Sitz in Flawil wurde schliesslich im Oktober 2000 eröffnet. Was folgte war ein sukzessives Wachstum mit Zentrumseröffnungen in Wil (2005), Wattwil (2006) und Gossau (2010).