Bei der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten ist es wichtig, schnell das richtige Antibiotikum einnehmen zu können. Das Medizin-Startup Clemedi kann mit seinem Analyseverfahren genau das sicherstellen.

Autor: Alyssia Kugler

Mit jedem Tag, der vergeht, wird die Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten schwieriger und kostspieliger. Deshalb muss möglichst früh das passende Antibiotikum verschrieben werden. Bisher dauerte der dafür notwendige Labortest drei Tage. Um diese Zeit zu überbrücken, mussten Ärzte auf ihren Erfahrungen basierend das Antibiotikum bestimmen. In vielen Fällen kam bislang so das falsche Antibiotikum zum Einsatz.

Antibiotikaresistenz als globales Problem

Clemedi
Dr. Prajwal (links) und Dr. Dümcke wollen mit ihrem Startup Clemedi den falschen Einsatz von Antibiotika um die Hälfte reduzieren. (Foto: Nathalie Zimmermann)

Mit Clemedi leisten die zwei Gründer Dr. Dümcke und Dr. Prajwal nun einen wichtigen Beitrag an die Verbesserung von Behandlungen bakterieller Infektionskrankheiten. Ihr Analyseverfahren ist auch ein wichtiges Instrument in der Prävention von Antibiotika-Resistenzen. Das ist ihnen besonders wichtig. «Wir rechnen damit, dass nach dem Coronavirus antibiotikaresistente Bakterien die nächste globale Gesundheitskrise werden», warnt Dr. Sebastian Dümcke, CEO von Clemedi.

Labortest mit Algorithmus kombinieren

Beim Analyseverfahren von Clemedi wird im Labor die bakterielle DNA sequenziert, das bedeutet digitalisiert. Anhand dieser digitalen Informationen kann der von Clemedi entwickelte Algorithmus den Patienten das passendste Antibiotikum zuordnen. Dies ist eine grosse Entlastung für die behandelnden Ärzte, die so früh in der Behandlungsphase das richtige Medikament verschreiben können, denn die Analyse dauert statt wie bisher drei Tage nur noch 8 bis 24 Stunden.

70 Mal schneller bei Tuberkulose-Test

Bei Tuberkulose kann Clemedi das Analyseverfahren sogar von zehn Wochen auf einen Tag reduzieren. Den Tuberkulose-Diagnosetest hat Dr. Prajwal bereits erfolgreich entwickelt und wurde dafür vom «Entrepreneur Fellowships»-Programm der Universität Zürich ausgezeichnet. Jetzt muss der Tuberkulose-Test nur noch validiert werden, was aktuell im Gange ist. Wenn dieser Meilenstein geschafft ist, können die weltweit zehn Millionen Menschen, die jährlich an Tuberkulose erkranken, besser und schneller behandelt werden.

Als nächstes Projekt widmet sich Clemedi der Entwicklung des gleichen Analyseverfahrens, aber diesmal für sexuell übertragbare Infektionen und Krankenhausinfektionen. Mit diesen Plänen könnten sie 500 Millionen Menschen bei ihrer Genesung helfen und somit ihr Ziel, 50 Prozent der falsch eingesetzten Antibiotika zu vermeiden, erreichen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Startup Magazin 2020.

Clemedi

Webseite