Der letzte „People’s Choice“-Award der ZHAW Startup Challenge ging an EQuality. Die Idee: Ein Oualitätslabel für eine gleichberechtigte Arbeitswelt. Die Implementierung des Labels würde auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigern.

Zukünftig werden sich Arbeitgebende den neuen Regeln und Anforderungen der kommenden Generationen anpassen müssen. Nur so lässt sich geeignetes Personal rekrutieren und den Wert des Unternehmens steigern. Das berichten auch die „Handelszeitung“ und „Internet World Business“ über die anstehenden Trends in der Welt der Anstellung. Ein erfolgsversprechender Weg, sich als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber attraktiver zu gestalten: Sich mit der Chancengleichheit von Frau und Mann auseinanderzusetzen. EQuality, eine Gruppe von drei Studentinnen der ZHAW, die an der diesjährigen ZHAW Startup Challenge mit der Idee «EQuality» teilgenommen hat, beschäftigt sich mit genau diesem Thema.

Setzen sich mit ihrem Label EQuality für Gleichberechtigung ein (v. l.): Angelina Schlegel, Alessandra Sossini und Tatjana Grez. (Foto: EQuality)

Viel ungenutztes Potential
Für Alessandra Sossini, Angelina Schlegel und Tatjana Grez, welche diese Idee entwickelt haben, ist Chancengleichheit – vor allem für Frauen – längst nicht mehr nur eine Frage der Fairness. Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass der Miteinbezug von Frauen im Arbeitsmarkt auch die Effizienz und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigert. Konzerne wie Google haben dies längst eingesehen. Grossfirmen sind in der Schweizer Arbeitslandschaft jedoch eher eine Seltenheit. Stattdessen stellen KMU knapp 70% der Arbeitsplätze. Und genau hier, im Herzen der Schweizer Wirtschaft, liegt das Potenzial von Frauen im Arbeitsmarkt brach.  
Unter dem Begriff Chancengleichheit kommen viele Handlungsfelder zusammen. So hat auch EQuality die aus ihrer Sicht dringendsten Anliegen zusammengefasst. Anliegen, die laut EQuality nicht nur den weiblichen Teil des Arbeitsmarkts betreffen, sondern in der gesamten Arbeitswelt diskutiert und angegangen werden müssen: Familienfreundlichkeit, Lohngleichheit, Arbeitsflexibilität und Chancengleichheit in der Beförderung sowie Weiterbildung.

Ein Qualitätslabel als Lösung
Bei diesen vier Kriterien setzt EQuality an. Qualität in der Gleichstellung der Geschlechter soll mit einem Label ausgezeichnet werden, welches die genannten Kriterien als erfüllt bestätigt. Darüber hinaus bietet EQuality den KMU folgende Dienstleistung an: Auf Wunsch können sie sich dabei begleiten lassen, Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeit zu definieren und durchzusetzen.
KMU können neue Regelungen und Prozesse einführen, jedoch müsste die gesamte Schweiz umdenken. Wie spornt man Chefinnen, Entrepreneure, Schüler und Studentinnen an, sich für die Chancengleichheit aller einzusetzen? Wie kann ein Elternurlaub gesetzlich verankert werden? Wie kann eine Lohngleichheit zwischen Frau und Mann erreicht werden? Eine Antwort darauf hat EQuality: Jede Frau soll sich ihres Wertes bewusst werden und diesen nicht anzweifeln. Gewisse Fortschritte sehen die drei Studentinnen bereits: Hochschulen wie die ZHAW setzen sich mit Infoanlässen bereits dafür ein, mit weiblichen Vorbildern und ihren Erfolgsgeschichten andere Frauen zu inspirieren. Wie es im Marketing heisst: „Monkey see, monkey do“. Menschen brauchen ein Ideal, um sich selbst in dieser Position zu sehen.

„1 von 10 Schweizer Startups wird von einer Frau gegründet.“


-EU Startup Monitor

Was passiert in der Startup-Szene
Wagt man einen Blick in die Startup-Szene, entsteht ein ähnlicher Eindruck: Frauen sind immer öfter Zielgruppe von Marketingaktionen für Startup-Programme. Richard Tate, einer der Gründer von Y?Not, beobachtet auch, wie immer mehr Frauen sich trauen, in die Startup-Welt einzusteigen. Jedoch sei es schade, dass sie manchmal zu wenig Biss und Mut hätten, dran zu bleiben, und so das Projekt oft aufgeben. Auch sei es wichtig, in diesem neuen Marketingfokus nicht das männliche Publikum zu vergessen. Denn eine breitere Fassade an Ideen bereichert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die gesellschaftlichen Normen.
Es sind viele tief verankerte gesellschaftliche Konstrukte, die zukünftig verändert werden müssen. In der Wirtschaft werden diese vor allem in der Arbeitswelt ausgetragen. Länder wie Island und Norwegen haben bereits rechtliche Strukturen und neue Prozesse für diesen Wandel implementiert. Ob die Schweiz bald zu diesen Ländern aufschliessen und einen Sinneswandel erleben wird, mag sich hoffentlich bald zeigen. EQuality macht sich jedenfalls weiterhin stark für eine Schweiz, in der Frauen und Männer die gleichen Chancen erhalten und den Schweizer Arbeitsmarkt gemeinsam vorantreiben können.