«Man fällt schneller hin, steht aber auch schneller wieder auf»

Wer die Lean-Startup-Methode einmal angewendet hat, weiss sie zu schätzen. So auch die Startups noii und Prognolite. Erfahre, wie sie die Methode anwenden und was das für ihr Business bedeutete.

Bei der Lean-Startup-Methode* wird möglichst früh das Produkt oder die Dienstleistung direkt bei der Zielgruppe getestet, um es entsprechend deren Feedback anzupassen. Während Laura diese Methode für das Entwickeln ihres ersten Prototyps noch vor der Startup-Gründung anwendete, hielt sie beim Team von Prognolite erst vier Jahre nach der Gründung Einzug. Was den beiden Gründungsteam aber gemeinsam ist: Beide sind von der Methode begeistert und wenden sie wo immer möglich an.

Entwickeln und Testen – das Beispiel der Dating-App noii 

Laura entwickelte im Rahmen von „Silver Ox Idea-Challenge“ mit der Lean-Startup-Methode innerhalb von 100 Tagen einen klickbaren Prototyp ihrer Dating-App noii. Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig: „Es war ein Zyklus von Hypothesen aufstellen, Prototypen erstellen, Prototypen testen und aus den Ergebnissen lernen. So musste ich meine Hypothesen über meine Zielgruppe die ganze Zeit über den Haufen werfen“, erzählt sie.

Sich den Bedürfnissen der Zielgruppe annähern

Laura musste im Prozess also immer wieder einen Schritt zurück machen, um anschliessend zwei Schritte nach vorne zu kommen. Das war es aber definitiv wert. Denn auch wenn sie ohne diese Methode in diesen 100 Tagen einen klickbaren Prototyp hätte fertig stellen können: „Er wäre weniger auf die Zielgruppe abgestimmt gewesen und hätte nur auf Annahmen basiert.“ Doch Produkte, die auf Annahmen basieren, haben immer ein grosses Risiko, einmal auf dem Markt, gar nicht nachgefragt zu werden. Die Lean-Startup-Methode bezieht die Zielgruppe in der Entwicklungsphase ein und stellt ihre Bedürfnisse ins Zentrum der Produktentwicklung. Die Chance zum Markterfolg ist damit grösser. Genau aus diesen Gründen lohnt es sich diese Methode anzuwenden.

Das Testen ist entscheidend

Es gilt jedoch zu beachten, dass das Testen des Prototyps eine der grössten Fehlerquellen darstellen kann. „Das Testing muss wirklich das testen, was man testen will. Manchmal stellt man fest, dass der Test nicht funktioniert und man muss ihn anpassen, bevor man mit den Resultaten weiterarbeiten kann“, erklärt Laura weiter. Diese Erfahrung musste sie selber machen. Zum Beispiel wollte sie die Funktionalität der App bei potentiellen Nutzern testen. Die Feedbacks bezogen sich dann aber oft auf Design-Aspekte. Farben und Formen lenkten also vom Wesentlichen ab, weshalb sie den Prototypen in Grautönen einfärbte und den Test erneut durchführte.

Die Test-Schlaufen machte sie mit Umfragen, die sie auf LinkedIn, im privaten Umfeld und bei Experten streute. Die Umfrage gab Einblick in die App, in dem die Teilnehmer*innen sich durch den Prototyp der App klicken konnten und gezielt Feedback geben konnten. So kam es auch vor, dass Lauras Lieblingsaspekte schlecht abschnitten, andere Aspekte dafür überraschend gut. Das schlug aber nicht auf die Motivation: „Jetzt weiss ich dafür, was die Zielgruppe will. Und das sieht so aus.“

Der Prototyp der Dating-App noii.

Prognolite nähert sich „lean“ neuen Kundensegmenten

Es ist jederzeit ein guter Zeitpunkt, etwas Neues auszuprobieren. Das hat sich wohl auch Prognolite gedacht. Das Startup unterstützt die Gastronomie dabei, Daten effizient zu nutzen und so die Performance von Restaurants zu verbessern. Seit 2016 arbeitet das Startup an ihrer Vision, seit 2021 mit der Lean-Startup-Methode. Grund: Sie können damit Prozesse und Entwicklungszyklen extrem verkürzen und die User*innen in die Produktionsentwicklung einbeziehen. „Man lernt enorm viel und enorm schnell in den Testing-Phasen“, sagt Aurelia Steinmann, Communication Managerin von Prognolite. „Das bedeutet, dass man schneller auf die Nase fällt, aber auch, dass man viel schneller wieder aufstehen kann.“

Sparsam ein zweites Produkt entwickeln

Prognolite hat zwar bereits ein etabliertes Produkt, das von Restaurantketten gerne verwendet wird. Nun will das Startup aber eine zweite strategische Richtung einschlagen, bei dem es ein Basisprodukt entwirft, auf das verschiedene Auswertungs- und Prognosetools gebaut werden können – individuell, je nach Kundenbedürfnissen. Damit können sie auch kleine Gastronomiebetriebe bedienen. Den Weg dorthin machen sie mit der Lean-Startup-Methode. Bei ihnen als sechsköpfiges Team bedeutet das: „Man muss öfter zum Evaluieren zusammensitzen und das Ganze ist unbeständiger. Es kann sein, dass man nach zwei Wochen wieder von vorne beginnen muss, weil man erkannt hat, dass man in eine falsche Richtung geht“, erklärt Aurelia. Aber lieber passiert dies früh in der Entwicklung als zu spät. Denn in einer frühen Phase verliert man bei einem Neustart weniger Zeit und Geld, als wenn man monate- oder sogar jahrelang herumbastelt, bevor das Produkt bei den Kunden getestet wird. „Das bedingt aber auch Mut, vom Perfektionismus wegzukommen. Denn man geht mit einem noch nicht perfekten Produkt raus.“

Prognolite
Die App von Prognolite.

Lean developement, lean marketing, lean everything

Im Gegensatz zu noii hat Prognolite bereits zwei Finanzierungsrunden hinter sich. Die Investoren haben diese Strategie sehr unterstützt und konnten den Wunsch, mit dieser Methode das Business Developement fortzufahren, gut nachvollziehen. Nun wendet Prognolite die Methode nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch im Sales und Marketing an. Und sie bewährt sich. „Wir empfehlen jedem Startup lean vorzugehen.“

 

*Lean-Startup-Methode

Bei der Lean-Startup-Methode wird eine Geschäftsidee, ein Produkt oder eine Dienstleistung gestaltet und schnellstmöglich noch als MVP (Minimal Viable Product) auf den Markt gebracht. Der Prozess zum Ziel verläuft dabei nicht geradlinig, sondern ist ein Kreislauf von Bauen, Messen, Lernen. Das Messen geschieht direkt bei der Zielgruppe, um möglichst früh wichtige Inputs und Erkenntnisse für die weitere Entwicklung des Produkts oder der Dienstleistung zu erhalten. So lassen sich einerseits Kosten und Zeit sparen, andererseits das Risiko minimieren, etwas zu entwickeln, das auf dem Markt keine Nachfrage erfahren wird.