Die Swiss Startup Association entstand vor fünf Jahren zur Bekämpfung eines Gründer-unfreundlichen Steuergesetzes. Nun will der Verein mit neuem Vorstand die nächsten Schritte machen – und ambitionierte Ziele erreichen.

Autor: Dominic Bleisch

Die Schweizer Wirtschaft ist geprägt von KMU. In diesen Klein- und Mittelunternehmen arbeiten hierzulande zwei von drei Erwerbstätigen. Was häufig vergessen geht: Eine funktionierende Wirtschaft braucht innovative Köpfe mit erfrischenden Ideen, die neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen. Nicht selten geschieht dies in Startups, die später zu ebensolchen KMU oder sogar Grossfirmen wachsen. In den letzten Jahren notierte die Schweiz enorme Rekorde bei der Investitionstätigkeit gegenüber Startups und verzeichnete Ende 2019 zudem mit 44’600 Neugründungen von Firmen einen neuen Höchststand.

Gerade deshalb ist es wichtig, förderliche Rahmenbedingungen für eine florierende Startup-Welt zu schaffen. Dazu zählen ein guter Zugang zum Kapitalmarkt, um durch Investorengelder überhaupt an neuen Produkten und Dienstleistungen forschen zu können, und gründerfreundliche Gesetze. Eine neue Gesetzesvorlage mit steuerlichen Nachteilen für Gründerinnen und Gründer war denn auch die Geburtsstunde für die Swiss Startup Association (SSA) im Jahr 2015.

Damals sah eine neue Steuervorlage von Regierungsrat Ernst Stocker vor, dass die Gründerinnen und Gründer von Jungunternehmen den Unternehmenswert privat basierend auf die letzte Finanzierungsrunde versteuern müssen. Dies wäre eine Diskriminierung gegenüber bestehenden KMU gewesen, die zu ihrem aktuellen Wert besteuert werden. Die Swiss Startup Association war schlussendlich zusammen mit anderen Startup-Organisationen massgeblich daran beteiligt, dass die für Startups nachteilige Steuervorlage nicht in Kraft trat. Die Köpfe hinter der SSA waren damals namhafte Unternehmer und Unternehmerinnen wie Urs Haeusler, Lea von Bidder und Nicolas Bürer.

Neuer Vorstand mit bekannten Gesichtern

Als Dachverband aller Startups in der Schweiz sollte die Swiss Startup Association den jungen und technologiegetriebenen Unternehmungen eine gemeinsame Stimme verleihen – unabhängig davon, in welcher Branche die Firmen tätig sind. In den letzten Jahren ist die Interessensvertretung durch die stetige Zunahme von Startups und dem generellen Trend zum Unternehmertum bei den Abgängern von Hochschulen, Fachhochschulen und anderen Bildungsinstituten immer relevanter geworden. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass ein gutes Netzwerk in- und ausserhalb der Schweizer Startup-Community von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Mitgestaltung von gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Swiss Startup Association ist.

Um diesem Aspekt noch stärker Rechnung zu tragen und gleichzeitig die nachrückende junge Generation von Gründern vermehrt einzubinden, wurde der Vorstand der SSA im Frühjahr 2020 teilerneuert. Neuer Präsident der Swiss Startup Association ist seit Juli 2020 der Winterthurer Raphael Tobler. In der Startup-Community ist er durch sein Engagement für den Entrepreneur Club Winterthur bekannt und ist Mitgründer des Startups eduwo, eine Vergleichsplattform für Bildungseinrichtungen. Daneben verfügt der Vorstand neu nun mit Gregory Inauen als ehemaligem Präsidenten des ETH Entrepreneur Clubs und Simon Furer als ehemaligem Präsidenten von START Global über zwei fundierte Kenner des Startup-Ökosystems. Als Bindeglied zwischen dem alten und neuen Vorstand amtet der bisherige Präsident Urs Haeusler.

In vier Jahren 700 Startups als Mitglieder

Das Ziel der neu formierten SSA ist es, die Schweiz zur Nummer 1 der Europäischen Startup-Zentren zu formen. Mit einem jungen, motivierten Team und einem erfahrenen Netzwerk an Unterstützern will die Swiss Startup Association als Sprachrohr der Schweizer Startup-Unternehmen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik dienen. Gemäss Präsident Raphael Tobler sollen so drei wesentliche Aufgaben erfüllt werden: Gründerinnen und Gründer sollen bessere rechtliche, steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen vorfinden, die Behörden sollen Startups gegenüber eine positive Haltung haben und Jungunternehmen sollen ein positives Image im Bewusstsein der Menschen in der Schweiz haben. «Das alles erarbeiten wir derzeit innerhalb der Swiss Startup Association, um uns als Verein künftig mit einem finalen Positionspapier für die Anliegen der Schweizer Startups einsetzen zu können», sagt Tobler.

Raphael Tobler
Raphael Tobler ist neuer Präsident der SSA und gleichzeitig selbst Gründer. (Foto: SSA)

Für eine demokratische Interessensvertretung will der neue Vorstand verstärkt «Bottom-up» arbeiten und die Startups so in seine Entscheidungen einbinden. Ziel ist es, dass in vier Jahren 700 Startups Mitglied im Verein sind und die SSA so gezielter Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen kann. Auf den ersten Blick ein ambitioniertes Ziel – doch wer Tobler aus seinen bisherigen Tätigkeiten kennt, weiss um seinen Ehrgeiz zur Erreichung von ambitionierten Zielen. Für die operative Führung soll zudem eine bezahlte Geschäftsstelle eingerichtet werden, die die ehrenamtlichen Mitglieder im Tagesgeschäft entlastet und Projekte durch die zusätzlich geschaffenen Ressourcen schneller vorantreiben kann. Ganz dem ambitionierten Ziel gewidmet, die Schweiz zum europäischen Startup-Hub Nummer 1 zu machen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Startup Magazin 2020.

Swiss Startup Association

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