«Es ist eine spannende Zeit um zu gründen»

Ein Café eröffnen kann fast jeder. Aber es weiss noch lange nicht jeder Café-Betreiber, wie Kaffee je nach Bohnensorte und Röstprofil idealerweise gebrüht werden muss. BLUM Kaffee hat eine Kaffeelösung entwickelt, die mit dem Internet of Things verbunden ist. So kann auch bei weniger spezialisiertem Personal gewährleistet werden, dass die Bohnen korrekt gebrüht werden. Doch nicht nur Kaffeequalität liegt dem Gründerteam am Herzen, sondern vor allem auch Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in der ganzen Lieferkette.


BLUM Kaffee

Namen der Gründenden: Michael Kohler, Kevin Kohler, Jasmin Kohler

Gründungsjahr: 2020


Wie seid ihr auf eure Geschäftsidee gekommen?

Wir haben uns gefragt: Weshalb stehen heute immer mehr Leute Schlange bei spezialisierten Kaffeehäusern? Die Antwort: Spezialitätenkaffee. Jedoch ist es gar nicht so einfach, mit wenig Erfahrung solchen Spezialitätenkaffee zuzubereiten. Schliesslich gibt es beim Kaffee über 1’000 nachgewiesene Aromen. Zum Vergleich dazu sind es beim Wein „nur“ 400 Aromen. Um dieser Vielfältigkeit gerecht zu werden und das Beste aus den Kaffeebohnen herauszuholen, muss vom Handel des Rohkaffees über das Rösten bis hin zum Brühen alles zusammenpassen. Wie selten man einen guten Kaffee in der Gastronomie bekommt verdeutlicht, wie komplex die ganze Geschichte rund um Kaffee ist.

Kaffee von BLUM Kaffee wird perfekt
Der Kaffee von BLUM Kaffee wird perfekt – auch ohne Barista-Ausbildung.

Was macht eure Geschäftsidee einzigartig?

Durch eine intelligente IoT (Internet of Things)-Kaffeemaschine können wir von BLUM Kaffee den Brühprozess bei Gastronomiebetrieben über das Netz steuern. Dadurch ermöglichen wir der Gastronomie, ihren Gästen die Welt des Spezialitätenkaffees näher zu bringen, ohne in teures Barista Know-how investieren zu müssen. Langfristig soll so auch das Qualitätsbewusstsein bei den Gästen gesteigert werden, so dass Bauern in den Ursprungsländern nicht mehr Massenware zu Lasten von Mensch und Umwelt produzieren müssen, sondern nachhaltig wirtschaften können.

Welches berufliche Know-How habt ihr für die Gründung eures Startups mitgebracht?

Mein Bruder Michael hat als ausgebildeter Ingenieur, Kaffeemaschinen-Entwickler, gelernter Röster und Barista Trainer ein ganzheitliches Verständnis dafür, was es für eine Tasse Spezialitätenkaffee braucht. Seine Frau, Jasmin, bringt als ausgebildete Architektin die gestalterische Kompetenzen ein und ich habe an der Universität St. Gallen Wirtschaft mit der Vertiefung Sustainable Entrepreneurship studiert.

Was musstet ihr von Grund auf erlernen?

Verkauf! Ich denke, es sind schon viele Startups mit genialen Produkten genau daran gescheitert. Auf dem Reissbrett lassen sich wunderbar «Customer Value Propositions» formulieren. Jedoch im „Face-to-face“-Verkaufsgespräch erfolgreich zu sein, ist eine Kunst für sich.

Was sind die grössten Herausforderungen bisher?

Der Kaffeemarkt ist hochgradig gesättigt. Entscheidungsträger von Gastronomiebetrieben sind sich an Kaffeevertreter gewohnt. In kurzer Zeit bei geringem Interesse klar zu machen, dass wir etwas Neues zu bieten haben, ist alles andere als einfach!

Michael Kohler mit seiner Grossmutter, die die Faszination für Kaffee bei ihren Enkeln entfacht hatte. Hier unterschreiben sie die Baueingabe für die Kaffeerösterei.
Michael Kohler mit seiner Grossmutter, die die Faszination für Kaffee bei ihren Enkeln entfacht hatte. Hier unterschreiben sie die Baueingabe für die Kaffeerösterei.

Was sind eure grössten Erfolge?

Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit spannenden Gastronomiebetrieben wie dem «LORA – A Mindful Way of Eating & Drinking» in Basel, der erfolgreiche Product Market Fit und dass wir trotz Coronakrise, in der die Gastronomie stillstand, nicht aufgeben mussten.

Wie hat sich euer Leben nach der Gründung verändert?

Durch die Gründung durften wir in unglaublich vielfältiger Weise lernen – nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Menschen. Zudem muss man viele Kompromisse eingehen, wozu man als Gründer bereit sein sollte.

Woran arbeitet ihr aktuell?

Wir arbeiten gerade an der B-Corp Zertifizierung, die eine Abkehr vom Shareholder- hin zum Stakeholder Value Ansatz propagiert und umsetzt. Diese Zertifizierung weist aus, dass wir unseren gesamten Impact auf Mensch & Umwelt statt auf Aktionärsinteressen ausrichten. Wir werden an unseren umweltbezogenen und sozialen Zielen gemessen. Dazu wollen wir für unsere B2B-Kunden in den nächsten Jahren eine komplett zirkuläre Kaffeelösung anbieten und damit ein Zeichen für eine tragfähige Wirtschaft setzen.

Zusätzlich wollen wir auch Privatkunden die Welt des Spezialitätenkaffees näherbringen. Der B2C-Markt zeigt sich jedoch mit all den Anbietern noch etwas komplexer. Unser Onlineshop ist hierbei unser Testfeld, den wir bereits stetig weiterentwickeln.

Eure wertvollsten Tipps für die Gründung eines Startups?

Habt immer ein gesellschaftlich relevantes Problem und nicht den Umsatz im Auge. Die Nachhaltigkeitsprobleme, die es in unserer Zeit noch zu lösen gilt, sind unglaublich vielfältig. Von daher ist es eine super spannende Zeit um zu gründen. Ausserdem ist es enorm wichtig, dass man so früh wie möglich realen Kundenkontakt hat.

Gibt es eine spannende Anekdote aus eurer Gründungsgeschichte?

Unsere Röstmaschine haben wir nach unserem Grossvater benannt. Sie heisst nun also «Karl» und steht auch in der Garage unserer Grosseltern. Sie waren es auch, die uns bereits in jungen Jahren in die Kaffeewelt eingeführt haben. Aber leider nicht mit Spezialitätenkaffee, sondern mit Filterkaffee, den man nur mit Milch und Zucker trinken konnte. Unsere Grossmutter nannte diesen Kaffe ein «Schwachströmler“ mit wenig Koffein, was bei Filterkaffee alles andere als wahr ist. Zu ihren Ehren heisst deswegen unsere klassische italienische Espressomischung «Starkstrom».

Vielen Dank für das Interview!

 

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