«Prioritäten setzen ist schwierig, wenn man tausende Ideen hat»

cropled macht den Anbau von Gemüse und Pflanzen effizienter, indem sie den Pflanzen genau das Licht geben, das sie für ideale Wachstumsbedingungen brauchen. Im Interview geht es um die Herausforderungen und Erfolge, um die Zukunft von cropled sowie ihre Tipps an andere Startup-Gründer.


cropled

Namen der Gründenden:
Remo Oberholzer, Michael Blickenstorfer, Samuel Beer

Gründungsjahr:
2022


 

Was ist die Geschäftsidee von cropled?

Wir von der cropled AG haben ein intelligentes Lampensystem zur industriellen Kultivierung von Pflanzen entwickelt. Selbstentwickelte Elektronik und modernste Software ermöglichen ein hocheffizientes Beleuchtungs-System mit einem voll adaptiven und reproduzierbaren Lichtspektrum, das von tiefem Ultraviolett (UVC) bis zu fernem Infrarot (IR) reicht.

Mit einer individuell konfigurierbaren App ist es möglich, das Lichtspektrum über einen Tageszyklus einzustellen oder verschiedene Klima- und Vegetationszonen je nach Bedarf zu simulieren. So können der exakte Lichtbedarf der einzelnen Pflanzenart erfüllt und spezielle Forschungsfragen beantwortet werden. Die Lampe selbst ist intelligent. Sie verbindet sich mit einem zentralen Broker und der passenden Webanwendung zur weiteren Konfiguration durch den Kunden. Diese Verbindung bietet Echtzeit-Einblicke in den aktuellen Status der Lampe und ermöglicht sofortige Anpassungen der Konfiguration, die entweder vordefiniert oder individuell durch den Kunden anpassbar sind.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Durch den Austausch mit verschiedenen Gemüse- und Zierpflanzenanbauern wurde immer wieder die Komponente Licht im Gewächshaus angesprochen. Da es in dieser Industrie üblich ist, die Pflanzen fast das ganze Jahr hindurch zusätzlich mit Natriumdampflampen (NDL) zu beleuchten, war dies ein spannender Ansatz, um die Kultivierung effizienter und ökologischer zu machen. NDL produzieren beträchtliche Abwärme, benötigen viel Strom und leuchten verstärkt in den für Pflanzen nicht optimalen Lichtspektren. Durch die Forschung ist bekannt, dass Pflanzen individuelle Lichtzusammensetzungen für ein gesundes Wachstum sowie eine gute Blütephase benötigen, denen die NDL-Lampen nicht gerecht werden können. Mittlerweile gibt es Lampen-Hersteller, die verstärkt auf LED-Technik setzen. Diese weisen zwar ein optimiertes Lichtprofil auf, welches jedoch meist an der bestens bekannten Hanfpflanze oder einigen Salatsorten ausgerichtet ist und somit keine Anpassungsmöglichkeiten an andere Kulturen bietet.

Wer sind eure Kunden?

In einem ersten Schritt sind unsere Kunden vor allem Universitäten und Forschungsinstitute. Doch auch Gärtnereien, Vertical Farms, Innenbegrüner und Hortikultur-Produzenten können von unserem Belichtungssystem profitieren. Ab 2024 werden wir uns dann auch dem Privatkundensektor widmen.

Was hat euch auf die Zeit als Startup-Gründer vorbereitet?

Remo Oberholzer: Ich wollte schon immer meine eigene Firma haben. Mit 17 konnte ich dann meine erste Firma gründen und meine ersten Erfahrungen machen. Im Studium hatte ich dann bei unzähligen studentischen Wettbewerben mitgemacht, wo ich meinen Entrepreneur Spirit ausleben konnte und weitere Erfahrungen sammeln konnte.

Michael Blickenstorfer: In meiner Lehre als Informatiker konnte ich im Wirtschaftsfach die Chance wahrnehmen und beim Company-Programm von «yes» teilnehmen. Dort hatte ich die Möglichkeit, mein erstes eigenes Unternehmen zu gründen und es ein Jahr lang als CEO führen.

Was musstest ihr von Grund auf erlernen?

Da wir ein sehr neues Startup sind, lernen wir täglich Neues und finden jeden Tag neue Lücken, die wir auffüllen müssen. Neue Herangehensweisen, neue Arbeitstechniken, neue Wege, die wir zur Vorbereitung von Pitches oder Core Presentations gehen – der Arbeitsalltag offenbart kontinuierlich neue Herausforderungen, an denen wir stetig wachsen. Manchmal geht uns beispielsweise sprichwörtlich «das Licht auf» in Bezug darauf, wie eine bestimmte Pflanze sich bei einer bestimmten Lichtkonfiguration verhält. So lernen wir jeden Tag etwas dazu.

Was waren bisher die grössten Herausforderungen?

Eine der grössten Herausforderungen für uns ist es, unsere tausend Ideen zu gliedern und sie zu priorisieren, um einen MVP zu generieren, den wir anschliessend zum Fliegen bringen können. Wir sind ein Team, in dem jeder mit voller Motivation und Engagement an unserem Ziel, ein valides, gutes Produkt zu entwickeln, arbeitet. Auf diese Weise entstehen unzählige Ideen, die es zu kanalisieren und strukturieren gilt. Doch sind wir aktuell auf einem guten Weg und haben bereits grosse Fortschritte erzielt.

Was sind die grössten Erfolge, die ihr mit dem Startup bisher erreicht habt?

Einer der grössten Erfolge für uns ist bestimmt der erste Platz beim *zünder Accelerator. Besonders stolz sind wir auch, dass wir ein Team gefunden haben, das voller Elan und Einsatz an einem Strang zieht und unser gemeinsames Projekt vorwärtsbringt. Ausserdem wäre unser aktueller Fortschritt nicht möglich gewesen, wären wir mit unserem Projekt nicht Teil der Gebert Rüf Stiftung gewesen. Dies war der wichtigste erste Schritt und ein massiver Erfolg für uns, der einen grossen Teil dazu beigetragen hat, dort zu sein, wo wir jetzt stehen.

Wie hat sich euer Leben seit der Gründung verändert?

Für uns hat sich der komplette Lebensalltag verändert. Nicht nur der Arbeitsalltag ändert sich enorm, sondern auch das private Leben – und das manchmal von Woche zu Woche. Man muss auf vieles verzichten, umorganisieren und auf viel Verständnis des individuellen Umfelds hoffen. An dieser Stelle möchten wir auch unseren Freunden und Familie danken für ihr Verständnis und ihre Unterstützung.

Was sind eure Pläne für die nächsten Jahre?

Unser nächster Schritt ist es, Erstkunden in der Wirtschaft zu finden und Stück für Stück im Markt Fuss zu fassen. Im Rahmen dessen streben wir an, symbioseartige Kooperationen mit verschiedenen early adapters einzugehen, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln und das Produkt kontinuierlich weiter voranzubringen. In einem weiteren Schritt wollen wir die Möglichkeiten, die unser Produkt schon jetzt bietet, weiter ausbauen, um es noch stärker von der Konkurrenz abheben zu können. Anschliessend wollen wir unseren Kundenkreis zunehmend erweitern, da wir durch die Erwartungen und Wünschen jedes Einzelnen unser Produkt noch besser machen und noch individueller an die Bedürfnisse des Kunden anpassen wollen. Ein zusätzlicher Schritt ist die Einreichung von weiteren Patenten, woran wir auch jetzt bereits schon arbeiten.

Was sind eure wertvollsten Tipps für die Gründung eines Startups?

Findet die richtigen Leute für euer Team! Wenn ihr es schafft, eine Gruppe von Menschen zu versammeln, die voller Motivation und Elan an dem gemeinsamen Projekt arbeiten, von diesem überzeugt sind und an einem Strang ziehen, könnt ihr viel erreichen!

Geht Konflikte frühzeitig an! Sei es innerhalb eures Teams oder im Kontakt mit externen Personen – räumt Konflikte schnell aus dem Weg und findet gemeinsam Lösungsstrategien.

Arbeitet und plant vorausschauend in Bezug auf Räumlichkeiten, Gerätschaften und allem, was ihr im Rahmen eures Startups benötigt. Wenn ihr im Vorfeld bereits alles gut durchdenkt und allfällige Probleme berücksichtigt, die sich aus bestimmten Strukturen ergeben, könnt ihr im Nachgang einige Schwierigkeiten sowie stressige Situationen vermeiden.

Glaubt an eure Idee und gebt nicht auf! Ihr werdet immer wieder und vor allem am Anfang auf Leute treffen, die an eurer Idee zweifeln und diese nicht unterstützen. Gebt nicht auf, haltet durch und entwickelt eure Idee weiter. Irgendwann erreicht ihr den Punkt, an dem sich die Anfangssituation verändert – ihr werdet Leute kennenlernen, die von eurer Idee überzeugt sind und sagen: «Ja, los, wir machen das!»