«Findet Leute, die für das Projekt brennen»

Der elektronische Schadeninspektor «eSi-Mobile-App», der vom Winterthurer Startup Earlybyte GmbH für die Basler Versicherungen entwickelt wurde, gewann im November 2020 den 3. Preis der Schweizer Assekuranz. Wir haben uns mit Earlybyte unterhalten und erfahren, welche Herausforderungen sie antrafen, was sie anderen Startups zur Zusammenarbeit mit etablierten Firmen raten und was für die Zukunft ansteht. 

Was ist der Innovationspreis der Schweizer Assekuranz?

Das Ziel des Innovationspreises der Schweizer Assekuranz ist es aufzuzeigen, wie innovativ die Branche ist und den Versicherungen die Möglichkeit zu bieten, sich als Arbeitgeber zu positionieren. Zudem können sich die Unternehmen dank dem Preis als innovative Versicherung gegenüber den Kunden präsentieren.

Was ermöglicht die App?

Mit eSI können Schadeninspektoren und Schadeninspektorinnen zusammen mit der Kundschaft den Schaden besichtigen, direkt vor Ort die wichtigsten Punkte notieren und Bilder aufnehmen.

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Die eSi-Mobile App ermöglicht die Aufnahme eines Schadens direkt vor Ort. (Foto: Earlybyte)

Was war die grösste Herausforderung bei der Entwicklung der App?

Es war zu Beginn schwierig, Nein zu sagen. Wir waren voller Ideen und Motivation, dass wir immer noch mehr coole Features einbauen wollten. Doch weil wir ein Projektbudget hatten und die Deadline im Auge behalten mussten, war es wichtig, Nein zu sagen. Da müssen wir pragmatisch sein und unsere Ideen gezielt einsetzen, damit wir die Ziele effizient erreichen. Das hat stark mit dem Thema Fokus zu tun: Sich wirklich auf das Wesentliche konzentrieren – in diesem Fall das, was für die Schadeninspektoren und Schadeninspektorinnen wirklich wichtig ist. Ohne Technology Push und fancy Features.

Wie habt ihr den Sieg des 3. Preises gefeiert?

Wir haben einen virtuellen Apéro mit der Baloise geplant und werden im Frühjahr die Möglichkeit haben, die Feier nachzuholen. Im Team haben wir einander gratuliert und uns über diesen Erfolg gefreut. Klar, hat das Anstossen im Team gefehlt, jetzt wo wir im Home Office arbeiten, aber wir werden das nachholen.

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Das Team der Basler Versicherung und Earlybyte sind die Gewinner des 3. Platzes beim Innovationspreis der Schweizer Assekuranz 2020. (Foto: Handelszeitung)

Was habt ihr bei der Zusammenarbeit mit einem etablierten Unternehmen gelernt?

Die Zusammenarbeit war sehr pragmatisch und es fühlte sich nicht wie eine Kunden-Dienstleister-Beziehung an, sondern viel mehr wie ein Team. 
Um die App in die Produktion zu bringen und mit den bestehenden Systemen zu integrieren, führt kein Weg an internen Prozessen und Schnittstellen vorbei. Da die neue App in bestehende Prozesse integriert wird, durchläuft sie mehrere Stufen – und das betrifft nicht wie bei einem Startup nur einen kleinen Bereich, sondern mehrere Abteilungen – bis die App voll im Einsatz ist.

Welchen Rat habt ihr für Startups, die gerne mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten möchten?

Es gibt in jedem Unternehmen Leute, die für genau dieses Projekt brennen. Ihr müsst diese Leute finden, denn sie werden das Projekt von sich aus vorantreiben. Das meine ich innerhalb des eigenen Teams aber auch in der Zusammenarbeit mit den Kunden. Am Ende hat man ein durchmischtes Team von eigenen Mitarbeitenden sowie Kunden, die gemeinsam am selben Ziel arbeiten und sich perfekt ergänzen. So gestaltet man ein Team auf Augenhöhe anstatt eine typische Kunden-Dienstleister-Beziehung.  

Was steht für die Zukunft an?

Die eSi-Mobile App wird zusammen mit der Basler Versicherung weiterentwickelt. Wir werden weiterhin wertvolles Feedback von den Benutzern sowie den Schadeninspektoren der Basler Versicherung sammeln und die App laufend anpassen, falls nötigt.
Was Earlybyte betrifft: Weiterhin solche tolle Kundenprojekte umsetzen, an Hackathons neue Ideen entwickeln und an Awards teilnehmen!

 

About Earlybyte

Das Startup Earlybyte wurde im Jahr 2018 von fünf ehemaligen ZHAW Studenten gegründet. Neben den fünf Co-Foundern arbeiten mittlerweile drei Personen Vollzeit beim jungen Startup – alles Personen aus unterschiedlichen Bereichen wie Informatik, Kommunikation, Marketing und Innovation. Die Winterthurer Firma bietet Lösungen im Bereich Software, IoT und Mobile Apps sowie eigene Innovationsprojekte an.

 

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