«Geschlechterungleichheit ist keine Meinung, sondern ein Fact.»

Wir hören weitaus mehr von Männern in Führungspositionen als von Frauen, dabei haben es Unternehmerinnen genauso drauf wie ihre männlichen Kollegen. Deswegen haben wir uns mit Belén Bolliger und Anna Mucha, CEOs und Gründerinnen der Firma OÏOÏOÏ baby, unterhalten. Im Interview erzählen sie uns, was sie unter Erfolg verstehen, welchen Rat sie nicht befolgt haben und was der schönste Moment ihrer Karriere war.

STARTUPDATE: War Unternehmertum immer schon das Berufsziel oder wie seid ihr dazu gekommen? 

BELÉN BOLLIGER UND ANNA MUCHA: Die Vorstellung, etwas Eigenes zu kreieren, war bei uns beiden immer ein grosser Anreiz. Mit unserem Babykleiderverleih OÏOÏOÏ baby haben wir uns dies ermöglicht.

Wie steht ihr zu der Debatte, dass es mehr Frauen in den Geschäftsetagen, in der Wirtschaft und der Politik haben sollte?

Der kürzlich von Mercer herausgegebene Report («When Women Thrive 2020») zeigt auf, dass auch heute lediglich 7% der Fortune 500 Companies von Frauen geführt werden. Einzig ein Drittel der Verwaltungsratssitze ist von weiblichen Vertretern besetzt. Geschlechterungleichheit ist keine Meinung, sondern ein Fact.
Die gute Nachricht ist, dass eine immer weiterwachsende Anzahl von Studien beweisen, dass Unternehmen, welche eine diverse und inklusive Kultur führen, erfolgreicher wirtschaften als diejenigen ohne. Dasselbe gilt für die Vertretung von Geschlechtern in der Politik.

Belén Bolloger Anna Mucha
Als Anna sah, wie ihre Kleine jeweils innert weniger Wochen wieder aus der kaum getragenen Kleidung gewachsen war, kam ihr die Idee der Babykleidervermietung.​ (Foto: OÏOÏOÏ baby)

Nennt drei Eigenschaften, über die eine Unternehmerin verfügen sollte.

Unternehmerinnen brauchen Mut. Etwas Neues anzufangen ist mit viel Try & Error verbunden.
Auch Anpassungsfähigkeit ist wichtig. Kritische Reflektion, aktiv (Kunden)Feedback einholen zu können, schnell zu sein, nicht an Altem festzuhalten und ständig zu lernen ist essentiell in diesem Business. 
Zusätzlich soll man seinen Prinzipien treu bleiben. Unternehmerinnen müssen ihre Werte leben und ihre Visionen kreieren.

Was versteht ihr unter Erfolg?

Mit OÏOÏOÏ baby wollen wir Nachhaltigkeit für frisch gebackene Eltern zugänglich machen, in dem wir Babykleider aus Bio-Baumwolle in einem attraktiven und praktischen Leihabo anbieten. Unsere zufriedenen Kunden machen uns jeden Tag von Neuem erfolgreich, indem sie uns beweisen, dass wir mit unserem Angebot einige ihrer Probleme lösen und ihnen eine Freude bereiten.

Was reizt euch am Unternehmertum am meisten?

Kreativität auf allen Ebenen einzubringen, schnelle Entscheidungsprozesse durchzusetzen und volle Verantwortung zu tragen.

Wurdet ihr in eurer Karriere jemals anders behandelt, weil ihr Frauen seid?

Wir sind in einer Welt aufgewachsen, in welcher «Biases» noch existieren. Behandlungsunterschiede, sei es aufgrund von ethnischen oder geschlechterbezogenen Gründen, kommen im Alltag durchaus vor. In dem wir uns alle für eine faire Welt einsetzten, schaffen wir eine bessere, harmonischere, sowie ausgewogenere Welt für alle.

Welchen Rat habt ihr nicht befolgt?

Rat gibt es extrem viel, wenn man ein Startup hat. Der ist wertvoll, aber erst durch das eigentliche Machen entstehen die richtigen Sachen. In gut gemeinten Ratschlägen schwingen zudem sehr viele persönliche Unsicherheiten der Ratgebenden mit, die uns aus der Bahn werfen würden – also fokussieren, Mut haben, dran bleiben und einfach machen.

Verhalten sich Frauen anders als Männer in Führungspositionen?

Schwierig zu beurteilen. Wir sind alle einzigartig und somit unterschiedlich, nicht wahr? Wir hatten in unserer Karriere beide sehr gute weibliche und männliche Führungspersonen. Es gibt bestimmt eine Menge Studien, welche Unterschiede zwischen Frauen und Männer in Führungspositionen darlegen, aber lernen können wir als junge Unternehmerinnen von beiden.

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Babykleider können bei OÏOÏOÏ baby im Abo geliehen werden. (Foto: OÏOÏOÏ baby)

Welches Vorurteil gegenüber Frauen nervt euch so richtig?

Wenn eine starke Meinung als ein emotionaler Zustand missinterpretiert werden will.

Was war bisher der schönste Moment eurer Karriere?

Da gab es viele! Die erfülltesten sind jedoch klar diese, bei welchen die gute Zusammenarbeit im Team als ein gemeinsamer Erfolg zelebriert wurde.

Welchen Tipp würdet ihr jungen Unternehmerinnen geben?

Sprecht über die Idee mit so vielen Leuten wie möglich. Immer und immer wieder, um Meinungen zu hören, zu verstehen wie der Markt empfindet und der eigenen Geschäftsidee mehr und mehr Form zu geben.

Vielen Dank für das Interview!

Anna Mucha und Belén Bolliger sind die Gründerinnen von OÏOÏOÏ baby, einem Leihabo für Bio-Baumwoll Babykleider. Sie teilen die Leidenschaft für innovative Konzepte, welche Nachhaltigkeit zugänglich machen, und vereinen diese mit ihrem Business Know-how im Marketing und Supply Chain.

OÏOÏOÏ baby ist eines der ausgewählten Startups des Circular Economy Incubators, einem schweizweiten Inkubations-Programm für Startups im Bereich Kreislaufwirtschaft von Impact Hub.

 

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