«Man sollte sich zweimal überlegen, auf wen man setzt. »

Was muss ich beachten, wenn ich auf der Suche nach Investoren bin? Diese Frage stellen sich sowohl junge als auch etablierte Startups. Deshalb werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, und unterhalten uns mit Dr. Erich Platzer, Präsident des StartAngels Network. Im Interview verrät er seine Tipps für die Investorensuche, welche No-Go’s es zu beachten gibt und was ihn am Investieren am meisten reizt. 


STARTUPDATE: Wie funktioniert Ihre Organisation?

DR. ERICH PLATZER: Wir wählen für unsere Mitglieder die besten Kandidaten aus. Diese präsentieren normalerweise ihre Idee in den jährlichen drei Pitch-Veranstaltungen. Bei ausreichend Interesse unserer Mitglieder organisieren wir den nachfolgenden Investmentprozess. Das StartAngels Network (SAN) nimmt keinerlei Gebühren von den Kandidatenfirmen – im Gegenteil, wir finanzieren sogar ein Präsentationstraining für ausgewählte Firmen, wenn sie bei uns eingeladen werden.

Wie sieht der Prozess einer Investition aus? Welche Schritte liegen zwischen der ersten Kontaktaufnahme und dem Investitionsentscheid?

Das SAN selektiert für seine Mitglieder dreimal jährlich je vier Start-ups für eine Präsentation. In der Regel werden ca. 20 – 30 Anfragen vom Vorstand begutachtet. Jene acht, welche der Vorstand in die engere Wahl nimmt, werden persönlich von einem Vorstandsmitglied begutachtet. In einer zweiten Sitzung entscheidet sich der Vorstand dann für die vier, welche vor den Mitgliedern des Vereins präsentieren können. Die präsentierenden Startups erhalten vor der Präsentation ein professionelles Coaching, sodass die Qualität der Präsentation gesichert ist. Am Frühlings- und Herbstanlass nehmen circa 80 potenzielle Investoren teil. 

Begleiten Sie die Startups im Prozess individuell?

Die Start-ups werden von einem Götti oder einer Gotte aus dem Kreis unserer Mitglieder durch den Prozess geführt. Für jedes präsentierende Start-up füllen die anwesenden Investoren ein Feedback-Formular aus. Darin vermerken die Investoren ebenfalls ihr Investitionsinteresse. Der Götti beruft dann das erste Investorengespräch ein. An diesem Gespräch wird auch bestimmt, wer der Leadinvestor sein soll. Anschliessend finden die Due Diligence und die Verhandlungen zum Termsheet statt.

Wie entscheiden Sie, in welches Startup Sie investieren möchten?

Der Vorstand beurteilt jede Bewerbung für eine Präsentation auf Grund der eingereichten Informationen. Entscheidend sind der Business Case, der Grad an Innovation, das Team sowie der Investitionsbedarf. Ausserdem muss jeweils ein Mitglied den Business Case als so attraktiv erachten, dass er oder sie die Rolle als Götti, beziehungsweise Gotte, übernimmt. Unser Schwergewicht liegt historisch in den Bereichen Medizintechnik, ICT, Engineering, sowie teilweise auch in CleanTech, Nanotechnologie und Instruments.

Erich Platzer
Dr. Erich Platzer ist Präsident des StartAngels Network. (Foto: StartAngels Network)

Welche Eigenschaften halten Sie davon ab, in ein bestimmtes Startup zu investieren?

Wir legen Wert auf skalierbare Businessmodelle und Innovation, also im Technikbereich meist auch intellectual property. Wenn wir nicht wirklich verstehen, wie das Startup kommerziell erfolgreich werden will, nehmen wir schnell Abstand.

Wie involviert ist Ihre Organisation, wenn eines Ihrer Mitglieder beschliesst in ein Startup zu investieren?

Die StartAngels investieren meist gemeinsam und stellen auch mindestens einen Verwaltungsrat, öfters auch den oder die VerwaltungsratspräsidentIn, im investierten Startup. Die anderen investierenden StartAngels sind meist aktive Teilnehmer an Aktionärsversammlungen, aber sonst in der Regel «stille» Investoren. Sie stellen aber bei Bedarf ihr Netzwerk zur Verfügung. Der Lead-Investor erhält in der Regel für seine doch recht intensive Arbeit eine bescheidene Anerkennung meist in Form von Stammaktien der Gesellschaft.

Haben Sie Tipps für Startups, die nach Investoren suchen?

Wir empfehlen, dass ein Startup den Mehrwert beurteilen sollte, den ein Investor neben dem finanziellen Engagement bringen kann. Zudem sollten Startups bedenken, dass im Gegensatz zu Angel-Organisationen wie SAN andere Investitionsvermittler nicht selten hohe Gebühren oder Gratisbeteiligungen verlangen. Auch sollten Startups berücksichtigen, dass die Beziehung zu den Investoren langfristig funktionieren muss. Man sollte sich zweimal überlegen, auf wen man setzt.

In welchem finanziellen Rahmen tätigen Ihre Mitglieder Investitionen und wie viele Investments in Startups führen sie pro Jahr durch?

In der Regel führen wir etwa 6 bis 8 Finanzierungsrunden pro Jahr durch, davon 2 bis 3 in neue Portfoliofirmen. Und der Sweet Spot liegt bei etwa 1 bis 1.5 Millionen

Welcher Aspekt des Investierens reizt Sie am meisten?

Innovation und der smart money approach.

Wieso sollen Startups sich an StartAngels Network wenden?

StartAngels Network verfügt über ein aussergewöhnlich breites Netzwerk und weitreichende Expertise. Wir sind schon seit 2005 in diesem Bereich tätig und haben viel Erfahrung. Bei vielen Themen können wir einen Branchenkenner stellen. Bei uns stehen Vertrauen, langfristiges Denken und Seriosität ganz weit oben.

Vielen Dank für das Interview!


Das StartAngels Network ist eine Plattform für Business Angel Investoren.
Ihre Mission ist es, den Mitgliedern Zugang zu attraktiven Investitionen in Early Stage Unternehmen in der Schweiz zu ermöglichen.