«Die ersten Zusagen sind am schwierigsten»

Was muss ich beachten, wenn ich auf der Suche nach Investoren bin? Diese Frage stellen sich sowohl junge als auch etablierte Startups. Deshalb werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, und unterhalten uns mit Stephan Habegger, Co-Gründer und CEO der tugboat GmbH. Im Interview verrät er seine Tipps für die Investorensuche, welche No-Go’s es zu beachten gibt und was ihn am Investieren am meisten reizt. 


STARTUPDATE: Wie funktioniert Ihre Plattform?

TUGBOAT: tugboat bündelt die Investitionen von Kleinanlegern und tritt als einziger Kontakt gegenüber der Startup-Firma auf. Statt auf Werbung setzen wir ausschliesslich auf Mundpropaganda innerhalb unseres Netzwerks im Startup-Ökosystem der Schweiz.

Wie nimmt man mit euch Kontakt auf?

Meistens hören die Leute über eines unserer bestehenden Portfolio-Startups von tugboat und kontaktieren uns dann. Auf unserer Website finden sich unsere Kontaktangaben und man kann sich dort auch für unsere Friendslist eintragen.

Welche Art von Investor sind Sie?

Wir würden uns irgendwo zwischen professionellen Business-Angel-Clubs und Crowdfunding-Plattformen ansiedeln.

Wie entscheiden Sie, in welches Startup Sie investieren möchten? Gibt es spezifische Qualitäten oder Eigenschaften, auf welche Sie besonders achten?

tugboat beschränkt sich in der Regel bei der Auswahl möglicher Firmen auf High-Tech-Startups. Die gewählten Firmen sollen den von uns sogenannten “Trickle-Investoren” ein hohes Identifikationspotential bieten. Natürlich spielen die Grösse des angepeilten Markts und die Umsetzbarkeit des Business Plans auch eine Rolle. Am meisten Gewicht hat wohl unsere persönliche Einschätzung des Gründerteams und ob wir ihnen zutrauen, ihre Ziele zu erreichen.

Stephan Habegger
Stephan Habegger gründete 2009 zusammen mit Rico Chandra die Investment-Plattform tugboat. (Foto: Stephan Habegger)

Wie involviert sind Sie, wenn Sie beschliessen in ein Startup zu investieren?

Wir stellen den Zugang zur Investitionsmöglichkeit her. Die Meinungsbildung und Prüfung der Investitionsmöglichkeit obliegt dem Co-Investor. Bei der Investitionsvermittlung sollen die administrativen Kosten so tief wie möglich gehalten werden. Zudem investieren wir unser Privatvermögen in die selben Cases zu den selben Konditionen.

Haben Sie Tipps für Startups, die nach Investoren suchen?

Empfehlungen von anderen Startups helfen dabei zu verstehen, wie verschiedene Investoren ticken und ob sie für ein Investment in dieses Startup passend sind.

Was sind die häufigsten Fehler, die Startups auf Investorensuche Ihrer Meinung nach begehen?

Geld zieht Geld an. Die ersten Zusagen sind am schwierigsten. Um diese zu erhalten, lohnt es sich, ein gutes Netzwerk und Erfahrung im Fundraising zu haben, Friends & Family als Investoren zu motivieren und systematisch das Fundraising voranzutreiben.

In welchem finanziellen Rahmen tätigen Sie Investitionen und wie viele Investments in Startups führen Sie pro Jahr durch?

Da wir tugboat nebenamtlich betreiben, haben wir keinen grossen Dealflow. Wir nehmen pro Jahr an ungefähr zwei bis drei Investitionsrunden teil (Erst- sowie Folgerunden). Dies erlaubt uns eine vertiefte Auseinandersetzung mit den ausgewählten Startups.

In welche Branchen investieren Sie gerne? Gibt es Branchen, die Sie meiden? 

Wir fokussieren uns nicht besonders auf Branchen. Es gibt bestimmte sehr technische Branchen, von denen wir eine beschränkte Expertise haben (zum Beispiel Pharma oder BioTech), deshalb sind wir dort vorsichtiger in der Auswahl.

Können Sie uns von einer erfolgreichen Investition und einer gescheiterten berichten?

Eines unserer Startups hat letztes Jahr den Early Stage Startup of the Year Award erhalten, ein anderes belegte den ersten Platz der Swiss Top 100 Startups. Unser «erstes» Startup musste leider fünf Jahre nach unserer Beteiligung wegen mangelndem Absatz und einer gescheiterten Investitionsrunde den Konkurs anmelden.

Welcher Aspekt des Investierens reizt Sie am meisten?

Es ist fast unmöglich, den Erfolg des einen und den Misserfolg des anderen Startups vorherzusagen. Brillante Entrepreneurs scheitern, andere sind mit ihren Produkten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es ist spannend, die Secret Sauce aufzuspüren – oder dies zumindest zu versuchen – welche aus einem Gründerteam eine Erfolgsgeschichte macht.

Wieso sollen Startups Sie als Investor wählen?

Gründern ermöglichen wir, mit tugboat ein schlankes Aktienregister zu führen und mehrere kleinere Einzelinvestoren zu bündeln. Das hilft vor allem in späteren Investitionsrunden, wenn Venture Capitalists das CapTable genauer unter die Lupe nehmen. Verzettelte Aktionariate sind schwerer zu managen. Investoren mögen den unkomplizierten und persönlichen Umgang mit tugboat und finden es toll, bereits mit kleineren Beträgen ab CHF 10`000.- an einem Startup-Investment teilzunehmen. Zudem verlangen wir einzig eine Success Fee, was uns schweizweit wohl einzigartig macht. Wir sind auch gerade am onboarden auf eine digitale Plattform, die den Komfort und den Zugang zu neuen, und Infos über bereits getätigte Investments, weiter verbessert.

Vielen Dank für das Interview!


Stephan Habegger ist – in seiner derzeitigen Beschäftigung – Regional Sales Manager eines an der NASDAQ notierten Unternehmens im Bereich Cybersecurity. In seiner Freizeit hilft Stephan Schweizer Hightech-Startups bei der Kapitalbeschaffung für Investitionsrunden in der Frühphase, indem er kleinere Investoren über das Trickle-Funds-Investitionsmodell von tugboat zusammenbringt.