Roger Hausmann ist 58 und bezeichnet sich als Jungunternehmer, obwohl er seine Firma vor 20 Jahren gegründet hat. Weil er neugierig ist, lebenslang lernt und auch mal etwas riskiert.

 

Wir treffen Roger Hausmann fünf Tage vor dem 20. Geburtstag der Schreibwerkstatt GmbH im Home of Innovation. Am 12. Juli 2000 ist seine Firma in das Handelsregister eingetragen worden. Er machte sich selbstständig, weil er nach 20 Jahren «Corporate Life» realisiert hatte, dass er in hierarchischen Organisationen sein Potenzial nur ungenügend ausschöpfen konnte. Als er seine Chefin über seine Entscheidung informierte, fragte sie ihn, was er vorhatte.

Er hatte keinen Plan, nur eine Idee – und fünf Minuten später die ersten Aufträge als freier Texter. Neugierig sein In diesen 20 Jahren hat sich vieles verändert. Als Roger Hausmann an der Obergasse im Herzen der Altstadt anfing, textete er hauptsächlich Kundenmagazine, Mailings auf Papier oder Produktbroschüren. Heute verdient er sein Geld vor allem mit suchmaschinenoptimierten Texten für Websites, konversionsstarken Texten für Newsletter oder leicht verständlichen User-Experience-Texten, welche die Usability von Apps und Online-Prozessen verbessern. Dieser Wandel von analog zu digital hat die Sprache verändert: «Ich schreibe anders als früher», analysiert Hausmann. «Einfachere Wörter, kürzere Sätze, mehr Verben, weniger Substantive, aktiv statt passiv, klarer strukturiert.»

Lebenslang lernen

Um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten, bildet sich der Texter laufend weiter und liest fast jede Woche ein Fachbuch. 1998 besuchte er eine der ersten Webpublisher-Ausbildungen in der Schweiz, weil er vermutete, das Internet könnte künftig wichtig werden. Vor acht Jahren bildete er sich zum Social Media Manager weiter, weil er überzeugt war, Facebook, Twitter und Co. könnten relevant werden. Und vor zwei Monaten begann er eine Online-Ausbildung zum UX Writer auf Englisch, die von der Initiative #LifelongLearning von digitalswitzerland teilfinanziert wird. «Als Texter und Unternehmer muss ich lebenslang lernen, sonst verliere ich den Anschluss», erklärt Hausmann. «Wer stehen bleibt, wird überholt. Das kann sich heute keiner mehr leisten.»

Auch mal etwas riskieren

Mit 57 Jahren ist Roger Hausmann wohl der älteste «Jungunternehmer» im Home of Innovation. Trotzdem – oder gerade darum – fühlt er sich dort zu Hause: «Das Umfeld inspiriert mich, das ist wichtig, gerade in speziellen Zeiten wie heute.» Inzwischen zählen einige andere Mieter zu seinen Kunden, die von besonderen Startup-Tarifen profitieren. Ausserdem hat er in ein vielversprechendes Startup aus dem Immobilienbereich investiert und arbeitet in einem Teilzeitpensum für ein Startup in Zürich. «Jungunternehmer zu sein ist keine Frage des Alters», meint Hausmann und lacht verschmitzt.

Dieser Artikel ist als Erstpublikation im Startup Magazin 2020 erschienen.