Das Winterthurer Startup bestsmile hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Gründer Ertan Wittwer erklärt, was sich dadurch verändert hat und worauf andere Startups beim Skalieren ihres Geschäftsmodells achten sollten.

Ertan, bestsmile ist seit der Gründung im Juli 2018 stark gewachsen. Wie habt ihr das geschafft?

Wir durften in der ersten Seed-Runde eine gute Summe einsammeln. Des Weiteren generiert unser Geschäftsmodell sehr rasch Cash, den wir immer für weiteres Wachstum investieren können. Das hat uns auf unserem bisherigen Weg sicher geholfen.

Gründer von bestsmile Ertan Wittwer (links aussen) bei der Arbeit. (Foto: bestsmile)

Was hat sich in eurem Daily Business verändert, nachdem ihr so schnell gewachsen seid?

Ich musste schnell Mitarbeitende befördern, damit sie mich beim Managen von Prozessen unterstützen können. Das sind öfters Mitarbeitende, die vor einigen Monaten noch Praktikanten waren und sich schnell bewiesen haben. Die werden dann einfach ins kalte Wasser geworfen. Man hat danach keinen direkten Kontakt zu gewissen Positionen, sondern nur mit diesen Führungskräften.

Ging es dir irgendwann mal alles zu schnell und du wolltest wieder «entschleunigen»?

Es gibt schon kurze Phasen, während denen man etwas Angst kriegt – zum Beispiel, wenn Rechnungen oder Gehälter bezahlt werden. Das geht aber schnell vorbei und man wird durch das Wachstum auch etwas süchtig (lacht)

Für starkes Wachstum braucht es meistens auch frisches Kapital. Wie konntet ihr entsprechend Investoren gewinnen?

Die ersten Investoren waren vor allem Family und Friends. Mit dem gesammelten Geld konnten wir gut starten. Nach mehreren erfolgreichen Monaten konnten wir auch Banken überzeugen, die uns bis heute unterstützen. Geholfen hat dabei sicher, dass wir in den meisten Monaten profitabel arbeiten und eine saubere Buchhaltung sowie ein Reporting haben.

Welches sind aus deiner Sicht die wichtigsten Aspekte, die es bei einem schnell wachsenden Business zu beachten gilt?

Ein kleines Beispiel: Man darf nicht nur in Motor und PS investieren, sondern auch in die Bremsen. Ich selber habe schon erlebt, wie wir viele Mitarbeitende im Sales eingestellt haben, aber im Customer Care vergleichsweise wenig. Das führt zu einem Engpass und man enttäuscht die hart gewonnenen Kunden

Was empfiehlst du anderen Startups, damit sie ihr Business nach oben skalieren können?

Vor allem Mut! Wir hatten immer wieder Engpässe, das gehört dazu und ist nicht schlimm. Ausserdem empfehle ich immer, gute Mitarbeitende rasch am Unternehmen zu beteiligen. Eitelkeiten und Geiz haben keinen Platz bei Startups. Ausserdem ist eine saubere Implementierung einer CRM-Software für Prozesse und Zusammenarbeit essenziell. Wir haben von Anfang an viel Geld und Zeit in die Implementierung von Salesforce gesteckt. Damit haben wir ein starkes Fundament gelegt und können jetzt darauf aufbauen. Ich empfehle auch jedem, von Anfang an gute HR- und Arbeitsmanagement-Software zu implementieren – nur so konnten wir wöchentlich 1.5 Mitarbeitende einstellen und sieben Standorte in zwölf Monaten eröffnen.