«Wenn mal etwas scheitert, ist das nicht das Ende, sondern man kann einfach weitermachen.»

Alan Frei hat mit Amorana das Sexleben der Schweiz aufgewirbelt und gleich noch das Image einer gesamten Branche reformiert. Geschafft hat er das mit seinem Realitätssinn, viel Durchhaltevermögen und Audiobüchern.

Alan Frei von Amorana. Bringt das Liebesleben der Schweiz zum vibrieren. (Foto: Alain Frei)

Alan, wieso verkauft ihr Sexzubehör?

Der Hauptgrund ist wahrscheinlich der, dass alles andere nicht funktioniert hat (lacht). Lukas, mein Geschäftspartner, und ich haben vieles ausprobiert. Amorana ist das erste, das wirklich funktioniert hat. Deshalb Sextoys.

Was bringen Sextoys unserer Gesellschaft?

Wir glauben fest daran, dass die Leute ein sexuell inspiriertes Liebesleben haben sollten. Unsere Aufgabe als Amorana ist es, Leute zu inspirieren, Neues auszuprobieren. Das Wichtigste dabei ist, dass die Leute in Beziehungen miteinander kommunizieren. Eine einfache Gleichung: Man ist in einer Beziehung, man hat Streit, man hat Sex, man hat keinen Streit. Und deshalb wollen wir, dass die Leute mehr und mehr über Sex reden.

Wie habt ihr es geschafft, dieser eher schmuddelig angehauchten Branche ein seriöses Gesicht zu verleihen?

In mehreren Stufen. Die Wichtigste war, dass wir gesagt haben: Wir zeigen uns, die Köpfe hinter Amorana.
Denn mal ehrlich: wie viele Sextoy-Verkäufer kennt man? Wir stehen mit unseren Namen für die Marke und dazu, was wir tun. Das sind wir. Der zweite Schritt war es, die Produkte massentauglich zu machen. Unser Onlineshop hat deshalb von Beginn an eher einer Lifestyle- Plattform oder einem Online-Kleiderstore geglichen. Das schmuddelige Image wurde uns so gar nicht erst verpasst. Der letzte Schritt war es dann noch, in die Massenmedien zu gelangen. Wir wollten nie nur eine Nische bedienen, sondern erreichen, dass möglichst viele Leute davon erfahren. Wir wollten die Schamgrenze, darüber zu reden, nach unten bringen. Und ich denke, das haben wir ein Stück weit auch geschafft.

Ich liebe eure Werbung, sie bricht Tabus. Wie waren die Reaktionen darauf?

Gemischt. In erster Linie waren die Leute geschockt, dass es überhaupt solche Werbung gibt. Einige waren auch der Meinung, dass so etwas nicht in die Gesellschaft gehört. Aber auch ganz viel Erstaunen, weil nicht mit solcher Werbung gerechnet wurde. Und dann gab es noch die, die es lustig und spannend fanden. Da sind wir aber nicht dogmatisch. Wir setzen uns mit allen Ansichten auseinander und überlegen uns auch, was unsere Verantwortung ist. Was darf man zeigen und was nicht?

Was war die lustigste Story, die du seit der Gründung von Amorana erlebt hast?

Das war in der Anfangsphase von Amorana. Da war Lukas in den Ferien und übergab mir die Aufgabe, die Bestellungen auszudrucken und die Ware zu versenden. Am Freitag lief ziemlich viel, ich konnte aber alles verschicken. Am Montag kam dann der erste Anruf. Eine Kundin wollte den doppelt gelieferten Dildo zurücksenden. Und so kam der zweite und dritte Anruf mit dem gleichen Anliegen und irgendwann merkte ich: Oh, shit! Ich hatte die gesamte Bestellung doppelt verschickt.
Ich musste also alle anrufen und die Dildos zurückholen. Das war lustig und «painful» zugleich.

Wie darf ich mir das vorstellen, wenn ihr mit euren Investoren über eure Produkte redet? 

Das ist super offen. Investoren sind ja per Definition, wenn sie bei uns investieren, offen für dieses Thema. Deshalb ist das überhaupt kein Problem. Aber das darf man sich auch nicht so romantisch vorstellen. Das ist, wie bei den meisten Meetings, tendenziell eher zahlen- und weniger produktbasiert.

Du als Minimalist: Welches ist das eine materielle Ding, das ein Gründer zwingend besitzen muss?

Zwingend … ein Smartphone, würde ich sagen. Aber nicht einmal unbedingt, um zu telefonieren, sondern vielmehr braucht man die Audiobücher darauf. Das ist das Zwingende.

Und welche Charaktereigenschaften braucht ein Gründer?

Durchhaltewillen und Durchhaltevermögen. Es kommen Höhe- und Tiefpunkte. Auch während den Höhepunkten sollte man sich hinterfragen. Vielleicht hätte man trotzdem noch etwas besser machen können. Bei den «Downs» hingegen darf man nicht immer zu kritisch sein mit sich selbst. Auch mal sagen können: das war ein Fehler und dann aber wieder weitermachen. Durchhaltevermögen eben.

Was ist das Wichtigste, das du auf deinem Weg als Gründer gelernt hast?

Man bringt es immer irgendwie hin. Wenn man denkt, jetzt klappt es nicht, dann funktioniert es trotzdem irgendwie immer.

Du hast dich bereits einige Male im Gründen versucht. Weshalb hat es gerade bei Amorana geklappt?

Bei den vorherigen Vorhaben habe ich nie fokussiert. Ich hatte nebenbei immer noch andere Projekte und andere Firmen. Bei Amorana haben wir uns dann aber gesagt: Wir machen nur Amorana und fokussieren uns voll und ganz darauf. Das war der Grund, wieso es bei Amorana besser funktioniert hat.

Was rätst du gescheiterten Gründerinnen oder Gründern, um wieder auf die Beine zu kommen?

Ich glaube nicht, dass ich ihnen viel raten muss. Wenn jemand ein Gründer sein will, dann kommt dieses «Excitement» schnell wieder, auch wenn etwas in die Hose gegangen ist. Ich glaube, wichtig ist hier, zu erkennen, dass es immer weitergehen muss. Wenn mal etwas scheitert, ist das nicht das Ende, sondern man kann einfach weitermachen. Vielleicht ein kleiner Tipp: Man muss einfach nur einmal mehr aufstehen als umfallen.