Einmal mehr holt der Start Summit hochkarätige Speaker aus der Startup-Welt nach St.Gallen. Erfolgreiche Gründer und Gründerinnen sowie Investoren und Venture Capitalists, geben Tipps, teilen Erfahrungen und geben Inspiration. Jeder Vortrag ist so wertvoll, dass hier nicht alles Platz hat. Ich habe zwei besonders inspirierende ausgewählt.

Tipps aus der Erfahrung des Vivino-Gründers

Heini Zachariassen, Gründer der Wein-App «Vivino», brach im Weinhandel alte Konventionen, indem er eine Community-basierte App für Weinempfehlungen- und Weinshopping entwickelte. Bevor er Vivino aufgebaut hatte, stand er oft ratlos vor dem riesigen Weinregal und fragte sich, welcher Wein gut ist und welcher nicht. Die grosse Auswahl war überfordernd und unübersichtlich. Da musste eine Lösung her. Auf Vivino werden Weine von den Nutzern bewertet, zusätzlich lernt der Algorithmus den Geschmack jedes einzelnen App-Nutzers kennen, und kann so individuelle Empfehlungen machen.

Start Summit 2022_Problem First, Solution Second

Was auf die Gründung von Vivino zutrifft, ist also: «Problem first, solution second.» Und das empfiehlt er auch allen anderen Gründern. Denn man könne eine noch so coole Idee haben. Wenn es nicht die Lösung für ein echtes Problem ist, dann werde sie sie nicht erfolgreich. Wer nach einer Idee für ein eigenes Startup sucht, kann also ganz bewusst darauf achten, wo er oder sein Umfeld im Alltag Problemen begegnet.

Wie man einen Markt erfolgreich aufmischt

Da Vivino nicht nur Weinempfehlungen macht, sondern auch gleich den empfohlenen Wein online verkauft, war die App ein gewaltiger Wirbelsturm für die grösstenteils analoge Weinbranche. Wer ähnlich stark einen Markt aufmischen möchte, muss nur die Chancen dafür erkennen. Aber wie? «Es gibt Märkte und Branchen, in denen bestehende Unternehmen unglaubliche Umsätze machen. Solange der Status Quo funktioniert, haben diese Unternehmen keinen Grund, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Das ist der Moment, in dem du mit der Gründung eines Startups den Markt aufmischen kannst und sehr gute Erfolgschancen hast.» Das Beobachten von Trends und Branchen kann also die Ausgangslage für eine erfolgreiche Gründungsidee sein.

In neun Jahren zum «overnight success»

Genauso inspirierend fand ich den Fireside-Chat mit Ali Albazaz, Gründer von Inkitt. Ich hatte zuvor noch nie von Albazaz oder Inkitt gehört, aber der Titel des Gesprächs zog mich in den Bann: «How this CEO’s overnight success was 9 years in the making”. Die Story beeindruckte mich schwer. Aber bevor ich zum beeindruckenden Teil komme: Was macht Inkitt?

Inkitt ist eine Plattform, auf der unbekannte Autoren ihre Geschichten publizieren können. Wenn diese viel gelesen werden, gibt es einen Vertrag mit einem passenden Verlag. Gleichzeitig sind Vertreter von Verlagen auch aus Eigeninteresse auf der App. Denn sie suchen dort die künftigen Bestseller-Autoren. So demokratisiert die App die Verlagswelt, denn jeder hat die Chance, die breite Masse zu erreichen und nur was die breite Masse will, bekommt einen Vertrag mit einem grossen Verlag.

Start Summit 2022_Ali Albazaz_Inkitt
Ali Albazaz, Gründer und CEO von Inkitt, und einer seiner Investoren, Jan Miczaika von My Capital, sprechen über den langen Weg zum Erfolg.

Geschichten aus aller Welt für das Disney der Zukunft

Albazaz ist überzeugt, dass die besten Geschichten und die besten Autoren überall sind. Sie müssen aber auch irgendwie Zugang zur verdienten Leserschaft haben. Inkitt will auf diese Weise das Disney der Zukunft werden: Mit den besten und authentischsten Geschichten von allen Orten und aus allen Schichten – von der Inderin aus einem Dorf, wo sie eine von wenigen ist, die lesen und schreiben kann oder von ganz jungen Personen, die sich noch kein Portfolio aufbauen konnten.

Durch Höhen und Tiefen mit einem starken „why“

Doch der Weg von Albazaz war nicht so einfach. Es gab sogar einen sehr tiefen Punkt. Wegen stagnierenden tiefen Umsätzen begann das Management an der Idee zu zweifeln, was wiederum auch die Investoren zweifeln liess. Was tut man als Gründer, wenn niemand mehr an einen glaubt und das Geld knapp ist. Ein Schreckensszenario – insbesondere, wenn man bereits über sechs Jahre Zeit und Geld investiert hat. «Für mich waren es die Erfolgsgeschichten von Autoren und Autorinnen, die es ohne uns nicht gegeben hätte. Diese Erfolgsgeschichten erinnerten mich daran, wofür ich das alles mache», erklärt Albazaz.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus – bei Inkitt mit 40 Millionen

Das zeigt, wie wichtig es ist, sein Warum zu kennen. Mit einem starken Warum ist das Durchhaltevermögen schier unendlich und aufgeben nicht als Option zu sehen, ist die Königsdisziplin von Gründern. Auch bei Albazaz hat es sich gelohnt, diese unangenehme Zeit durchzustehen, statt aufzugeben. Zweieinhalb Jahre nach diesem Tief schreibt Inkitt 40 Millionen Umsatz pro Jahr.

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