Seit sich Raphael Tobler in Winterthur für Startups einsetzt, floriert die lokale Startup-Szene. Der Entrepreneur Club Winterthur, die Startup Night, das Home of Innovation und Digital Winterthur führen auf seine Initiative zurück. Nun kandidiert er für das Winterthurer Stadtparlament mit den Themen Innovation, Bildung, Arbeitsplätze und – wer hätte es gedacht – Startups. 

Du kandidierst für das Winterthurer Stadtparlament u.a. als Startup-Vertreter. Wieso ist das nötig?

Ich bin selbst Startup-Gründer und kenne daher die Probleme von Startups sehr gut. Oftmals sind es kleine Probleme, die politisch relativ einfach gelöst werden können. Bislang war vor allem das Problem, dass Startups bei politischen Entscheidungen vergessen gingen. Das möchte ich ändern.

Was ist für Startups in Winterthur aktuell noch nicht ideal?

Ein wichtiges Thema in Winterthur ist der Platzbedarf für Startups – ein Problem, mit dem auch die Kultur kämpft. Startups wollen und können keine 5-Jahresverträge unterzeichnen. Das Home of Innovation hat zwar das Problem bereits etwas entschärft, der Technopark könnte aber auch dazu beitragen. Ebenfalls gibt es noch Potenzial bei der Zusammenarbeit mit der Stadt. Zum Beispiel im Bereich Smart City gibt es sehr interessante Startups.

Was müsste sich politisch in Winterthur verändern, damit Winterthur eine Startup-Stadt werden kann?

Ich denke, dass die Grundlage für eine Startup-Stadt ein besseres Verständnis von Startups ist. Die Parlamentarier:innen müssten zuerst mal klar verstehen, was die Probleme der Startups sind und was Startups von anderen Unternehmen unterscheidet. Dadurch, dass Startups für alle Parteien interessant sind, hege ich die Hoffnung, dass wir parteiübergreifend auch einiges bewegen können.

Nun fürs Verständnis: Was ist denn ein Startup?

Zwei Worte, erklären ziemlich gut, was ein Startup ausmachen: innovativ und skalierbar. Ein Startup entwickelt also eine Geschäftsidee, die sehr innovativ ist und im Idealfall auch sehr schnell wachsen kann – oftmals auch über die Landesgrenzen hinaus. Meistens bedeutet das am Anfang ein entsprechend grosses Risiko und ein Bedarf an Investoren-Geldern. Da die Idee oder das Geschäftsmodell vorher noch nie an den Markt gebracht worden ist, arbeitet das Gründerteam anfangs oft Tag und Nacht an ihrer Idee und erhalten dafür kaum Lohn. Sie glauben an eine Vision und nicht ans schnelle Geld. Wenn sie das schnelle Geld wollten, würden sie wohl eine bewährte Geschäftsidee kopieren.

Wie stehen die Chancen, dass Winterthur ein national relevantes Startup-Zentrum wird?

Ich denke, Winterthur hat mit dem Entrepreneur Club, der Startup Night und dem Home of Innovation in den letzten Jahren bereits enorme Fortschritte gemacht. Aber es gibt weiterhin viel Potenzial. Sollte die ZHAW tatsächlich zur „Entrepreneurial University“ werden, die Startup Night weiter an Grösse und Wichtigkeit gewinnen, das RAV aus dem Technopark ausziehen und das House of Winterthur einen verstärkten Fokus auf Startups legen, dann hat Winterthur sogar sehr grosses Potenzial, in der Schweiz zu einem sehr relevanten Player zu werden.

Warum sollten sich mehr Leute für Startups interessieren und einsetzen?

Ganz einfach: Startups schaffen die Arbeitsplätze für unsere Kinder. Also die Jobs von morgen und übermorgen. Das betrifft uns alle. Zudem lösen Startups Probleme in unterschiedlichen Bereichen: Umweltschutz, Digitalisierung, Gesundheit usw. Die Schweiz als Land ohne natürliche Ressourcen muss auf gute Ideen, Bildung und Innovation setzen.

Wieso in die Politik, wenn du dich auch sonst für Startups bereits sehr effektiv einsetzt?

Es gibt gewisse Themen, die können besser umgesetzt werden, wenn man nicht in der Politik ist. Andere Themen wiederum gehen besser auf der politischen Ebene. Ich glaube, ein guter Mix macht es aus. Sollte ich gewählt werden, werde ich mich auch weiterhin hinter den Kulissen für Startups einsetzen – kommunal, kantonal, national.

Vielen Dank für das Interview!