Die wirtschaftlich bedenkliche Lage trifft die Startup-Gemeinschaft in weiten Teilen hart. Vertreter der Szene haben sich daher zusammen geschlossen und fordern spezielle Hilfe vom Bund und Kantonen. Eine Umfrage der Initianten mit über 100 Startups zeigt, was die Branche an weiterer Hilfe benötigt.

Autorin: Jasmina Gloor

Die derzeitige Lage trifft die Wirtschaft hart, auch die Startups. Sie sind bereits bei normaler Wirtschaftslage anfällig, nun jedoch, stehen viele Jungunternehmen vor dem aus. “Startups sind wie die jüngsten Pflänzchen im Garten. Ihnen muss bei stürmischer Wetterlage Schutz geboten werden.”, beschreibt Raphael Tobler, Gründer von eduwo und Präsident vom Entrepreneur Club Winterthur, die Situation.
Zusammen mit weiteren Vertretern der Startupszene führte er in 48h eine Umfrage mit über 100 Jungunternehmen durch, um die Lage der Startups besser einschätzen zu können. Das Ziel sind klare Forderungen für Hilfe von Bund und Kantone formulieren zu können.

Raphael Tobler weiss, wovon er spricht: seit mehreren Jahren etabliert er sein Startup eduwo erfolgreich. (Foto: R. Tobler)

Ergebnisse
Von den hundert befragten Startups befinden sich zurzeit 69 in einer Finanzierungsrunde. Von diesen sind bereits jetzt 14 der Überzeugung, dass die Finanzierungsrunde nicht abgeschlossen werden kann. Weiter gab mehr als ein Drittel der Startups an, dass Investoren sich nun zurück gezogen haben. Ebenfalls ein Drittel geht davon aus Mitarbeiter entlassen zu müssen. Nur 14 der 101 Startups sehen sich in ihrer Prognose für den Umsatz dieses Jahre gar nicht betroffen. 44 gehen von massiven Einbussen aus.

Die Burnrate ist die Rate an Verlust eines Startups pro Monat. (Quelle: startup-politik.ch)

Aufgrund dieser Ergebnisse reichen die Massnahmen des Bundes laut Initianten nicht. Christoph Meili, Gründer Company Factory: “Die häufig noch tiefen Umsätze brechen ein, technologische Entwicklungen müssen gestoppt werden und Investoren ziehen sich zurück. Die bestehenden Hilfeleistungen des Bundes wirken nur beschränkt, es braucht direkte Zahlungen.” 

Christoph Meili, Gründer von Company Factory ist von der Dringlichkeit von Direktzahlungen überzeugt. (Foto: C. Meili)

Mit wenig, viel bewirken
Daher fordert die Interessengemeinschaft von über 20 Startups, Privatpersonen und Organisationen nun folgendes: Direktzahlungen und Kurzarbeit soll auch für Gründer möglich sein. Dies liege im Rahmen des Möglichen, so die Initianten, denn: Startups seien aufgrund ihrer Beschaffenheit auf weniger hohe finanzielle Hilfe angewiesen als bspw. ein Grosskonzern. “Mit wenig erreicht man bei uns schon sehr viel.”

Aus der Befragung mit 101 Startups ergaben sich folgende Zahlen bezüglich der Liquidität. (Quelle: startups-politik.ch)