Bis heute hat COVID-19 die Welt fest im Griff. Doch gefährdet der Virus nicht nur Gesundheit sondern auch Wirtschaft. Gründer in der ganzen Schweiz stellen sich die Frage, wie es weiter gehen soll. Neben der mittelfristigen Finanzierung richtet sich die Aufmerksamkeit auf tägliche Kosten und den Cashflow. Gründer Stefan Huber teilt seine Learnings und Krisenregeln. 

Am 24. März 2020 haben wir Stefan Huber, Founder & Managing Director von der StoryUp GmbH und der how2 AG interviewt. Er berichtet uns, wie der Coronavirus sein Startup Unternehmen beeinträchtigt und wie er damit umgeht.

startupdate.ch: Wie hat der Coronavirus dein Unternehmen beeinträchtigt?
Stefan Huber: Unsere Firma StoryUp berät Kunden rund um Digital Storytelling, führt Workshops durch und produziert Social Videos sowie Erklärfilme. Wir hatten eine gute Auftragslage, aber aufgrund des Coronavirus sind viele Aufträge storniert oder auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Auch mein anderes Unternehmen, die Erklärvideo-Agentur how2 in München bereiten wir aktuell auf unruhige Wochen und Monate vor. Wir versuchen das Beste daraus zu machen. In den ersten Märzwochen habe ich mir die Zeit genommen einen Worstcase-Plan zu erstellen, um den jetzigen Zustand zu analysieren, mich vorzubereiten um dann situationsgerecht zu handeln. Ich hatte 2008 die Krise bereits als Gründer erlebt und war entsprechend früh sensibilisiert.

Wie schlimm ist die Auftragslage wirklich?
Größere Videoproduktionen wurden storniert oder unbestimmt verschoben. Fast alle Präsenz-Workshops ebenfalls. Ich hatte viele Buchungen in Deutschland und in der Schweiz. Jetzt stellen wir aktuell komplett um auf Webinare. Diese sind im Moment noch kostenlos. Wir versuchen uns ehrenamtlich einzubringen und unterstützen Initiativen wie belocalhero.com um das schwer getroffene lokale Gewerbe zu unterstützen. Es gibt immer Firmen, die es noch härter haben. Es kommen zeitnah auch Webinare für KMUs und Startups raus, wir entwickeln diese gerade mit Hochdruck.

Stefan Huber im Gespräch: „Die erste Priorität ist Gesundheit und Familie. Nur wenn es der Familie und einem selbst gut geht, hat man die Kraft, Neues zu schaffen.“ (Bild: StoryUp GmbH)

Du sagtest, die Kriese 2008 hätte dich sensibilisiert. Inwiefern?
Nach der Finanzkrise im 2008 habe ich für mich ein paar Regeln aufgestellt, wie eine Krise zu bewältigen ist.

  1. Die erste Priorität ist Gesundheit und Familie. Nur wenn es der Familie und einem selbst gut geht, hat man die Kraft, Neues zu schaffen. Zurzeit mache ich regelmäßig Spaziergänge und gehe joggen. Wir wechseln uns zu Hause auch mit dem Kinderhüten ab. Es läuft gut.
  2. Ein ehrlicher Worstcase-Plan hilft in der Krise. Dieser beschreibt verschiedene Szenarien und gibt mir ein klares Bild bezüglich Finanzen und Liquidität. Wichtig ist, dass Unternehmer jetzt ehrlich zu sich sind. Dinge schön zu reden, hilft in der Situation wenig. Mein Worstcase-Plan geht davon aus, dass wir das ganze Jahr 2020 nicht in den Zustand wie vor der Krise kommen werden. Ich lasse mich ab jetzt positiv überraschen, wenn es doch schnelle Lösungen gibt.
  3. Unternehmer sollen im Rahmen des Möglichen schnell einen Rettungsschirm bilden. Mir ist bewusst, dass dies für viele Startups und KMUs aktuell nicht einfach ist. Das ist eine sehr schwierige Zeit. Wir haben die Kosten für meine Winterthurer Firma StoryUp auf ein Minimum reduziert und haben für meine Firma in München mit 20 festangestellten Mitarbeitern alles vorbereitet bezüglich Kurzarbeit und Kredit, um die Firma abzusichern.
  4. Viertens geht es darum, sich mental frei zu machen und weiter zu arbeiten. Man sollte sich nicht nur mit negativen Themen beschäftigen, sondern das bestehende Business verteidigen und neue Geschäftsmodelle andenken sowie testen. Das Lean Startup-Prinzip von Eric Ries hilft in dieser Zeit sehr. Unternehmer müssen jetzt nach vorn schauen.

Schlagwort „New Work“: wie stehst du zu Homeoffice und virtuellen Meetings?
Ich habe vor meinem Umzug ins Home of Innovation (A. d. R. Co-Working Space) mehr als eineinhalb Jahre im Home-Office gearbeitet und bin es gewohnt. Man sollte ein Arbeitsritual beibehalten, am besten geht es mit einer Routine, welche man festlegt und sich daran gewöhnt. Es ist wichtig, dass wir das private Leben und das Geschäftsleben trennen um diszipliniert zuhause arbeiten können. Langfristig wird es schwierig, aber wir alle sollten einfach unser Bestes tun, um uns der Situation anzupassen. Wir nutzen dazu Tools wie Hangouts, Meetings oder Zoom und führen alle Workshops und Meetings aktuell virtuell durch. Es funktioniert gut.

Das Positive an der Krise? „Solidarität, Bewusstsein und ein besseres Verständnis für die Digitalisierung.“ (Bild: StoryUp GmbH)

Hast du deine Geschäftsstrategie wegen der Lage angepasst?
Wir handeln jetzt nach dem Lean Startup-Prinzip. Ideen generieren, Tests durchführen, herausfinden wo sich der Bedarf weiterentwickelt und so Schritt für Schritt neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das bisherige Business wird nach der Krise wieder weitergeführt, da bin ich mir sicher. Jetzt haben wir die Chance, parallel neue oder ergänzende Geschäftsmodelle aufzubauen.

Gibt es neben den negativen Folgen auch positive Aspekte des Coronavirus?
Solidarität, Bewusstsein und ein besseres Verständnis für die Digitalisierung. Einerseits hat der Virus für ein klares Umdenken gesorgt. Man hat Chancen, ein neues Business zu generieren oder sein bestehendes zu optimieren. Andererseits wird die Solidarität gestärkt. Die Menschen helfen sich gegenseitig und die Gesellschaft entwickelt ein stärkeres Bewusstsein. Wir haben lange in einer Form der “spätrömischen Dekadenz” gelebt. Party, Luxus, Insta-Selfies. Uns ist das Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge abhanden gekommen. Ich hoffe, dass sich das mit dieser massiven Erfahrung zum Positiven ändert.