Er positioniert sich im Bundeshaus als erster Nationalrat explizit auch mit dem Thema Startups: Andri Silberschmidt (FDP). Im Interview sprechen wir über die Zusammenarbeit zwischen der Startup-Szene und der nationalen Politik – und wie die Schweiz eine Startup-Nation werden könnte.

Du bist einer von Wenigen, der Themen rund um Startups und Jungunternehmertum politisch vertritt. Wieso?

Ich denke, dass es einerseits eine Frage der Ressourcen ist. Denn um Parlamentarier mit Fakten, Erfahrungen und Beispielen auszurüsten, braucht es einen starken Verband mit Geschäftsstelle, die Studien macht und die Startup-Szene mit der Politik vernetzen kann. Andererseits sitzen im Parlament zu wenige Personen, die unternehmerische Erfahrungen gemacht haben. Zu wenige nationale Politiker arbeiten parallel in der produktiven Wirtschaft.

Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen der Startup-Szene und der nationalen Politik verbessert werden?

Es müssten massiv mehr Ressourcen in den Austausch und in gemeinsame Anlässe investiert werden. Das kann von beiden Seiten her organisiert werden: Die Politik könnte für die Beratung von Themen gleich Startups ins Bundeshaus einladen, umgekehrt könnten Startup-Verbände auch Politiker an ihre Anlässe einladen. Der Austausch würde es unter anderem erleichtern, eine gemeinsame Agenda zu entwickeln – ein weiterer notwendiger Schritt. Generell braucht es Bereitschaft aus der Startup-Szene, sich zu engagieren. Denn es ist kaum möglich, mit wenig Aufwand politisch viel zu erreichen. Aber es lohnt sich, denn wer sich engagiert, gibt zwar viel Zeit her, profitiert aber auch enorm vom Netzwerk, das daraus entsteht.

Was muss die Startup-Szene über die Politik wissen, bevor sie Forderungen stellt?

Im Bundeshaus werden keine grossen Visionen besprochen. Unter anderem auch, weil die Politik vom Tagesgeschäft getrieben ist. Ausserdem müssen auch die vermeintlich selbstverständlichen Themen aktiv eingebracht werden, um eine Veränderung anzustossen. Es ist also wichtig, dass das Startup-Ökosystem seine Forderungen so konkret wie möglich formuliert: Was ist das Problem und was ist der Lösungsvorschlag? Um den Lösungsvorschlag standfest zu machen, muss man herausfinden, an welcher Schraube gedreht werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Das ist bürokratisch, aber lohnt sich. Denn dann können Startup-Themen im Bundeshaus durchaus breite Begeisterung auslösen. Und dies wiederum bringt das Startup-Ökosystem ihrem Ziel, eine Startup-Nation zu werden, näher.

Die Schweiz mit Politik zu einer Startup-Nation machen?

Wenn man so will, ja. Ich bin an einem Projekt mit einer Universität, bei dem wir eine Übersicht über alle relevanten Startup-Forderungen in der Schweiz erstellen wollen. Die Liste geht von den altbekannten Gründungs- und Steuerthematiken bis zur Anstellung von Talenten aus dem Ausland. Ausserdem müssen diverse Hürden in innovativen Sektoren wie Foodtech, Medtech etc. aus dem Weg geräumt werden, denn jeder Sektor hat eigene spezifische Regulierungen, die teilweise für Innovation, Startups und Unternehmertum aktuell hemmend sind. Das Resultat wird ein Whitepaper sein, das wir mit einer Handlungsanleitung so einfach wie in einem Kochbuch versehen. Wenn diese Anleitung abgearbeitet ist, ist die Schweiz eine Startup-Nation.

Wieso sollte die Schweiz überhaupt eine Startup-Nation werden?

Startups bilden einen Bereich in der Wirtschaft ab, der eine hohe Innovationskraft hat. Das wiederum führt zu hoher Wertschöpfung, bringt bessere Löhne und spannendere Arbeitsplätze. So gesehen sind Startups der Wohlstands-Motor: Wenn der Motor nicht funktioniert und nicht schnell ist, kommt das Fahrzeug nicht weit. Genau so ist es mit dem Wohlstand der Schweiz: Wenn das Startup-Ökosystem floriert, profitiert das ganze wirtschaftliche System und der Wohlstand steigt.

Startups können mit ihren Innovationen auch zum Umweltschutz beitragen. Ist die grüne Welle beim politischen Nachwuchs also eine Chance für die Startup-Politik?

Grüne könnten durchaus zum Beispiel an der Förderung von Cleantech interessiert sein. Was ich jedoch als problematisch betrachte, ist, wenn sie monothematisch gewählt werden und nur in einem Thema – der Klimapolitik – aktiv sind. Eine ressourcenschonende Wirtschaft kann nur mit Wachstum erreicht werden. Die “alte” Wirtschaft muss transformiert, nicht kaputt gemacht und neu aufgebaut werden.

Und wie viel können Städte und Kantone zum Startup-Ökosystem Schweiz beitragen?

Auf städtischer und kantonaler Ebene kann bereits viel erreicht werden. Das sieht man auch an den Anzahl Gründungen: Unter anderem die Kantone Zürich, Waadt und Zug haben da die Nase vorn. Andere Kantone haben auch bereits erkannt, dass ihnen im Thema Startups etwas abhanden kommt. Kantone kommen auf mich zu, um zu fragen, wie sie mehr Startups haben können. Das ist ein gutes Zeichen.

Vielen Dank für das Interview!